Volker Hartke, Wirtschaftsprüfer/Steuerberater, Bereich Grundsatzfragen Prüfung, AWADO GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Dr. Benjamin Wilhelm, Grundsatzfragen und Infrastruktur Prüfung/Sustainable Finance, Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. [1]
I. Sustainable Finance verändert die Bankpraxis
Spätestens mit der Veröffentlichung des BaFin-Merkblatts zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken[2] ist klar, dass es sich bei der Umsetzung von nachhaltigkeitsbezogenen Maßnahmen nicht um ein “Kann-”, sondern zunehmend um ein “Soll”-Objekt in der Bankpraxis handelt. Wohingegen Aktivitäten unter dem Label „Sustainable Finance“ bisher oftmals als ein Geschäftsmodell in der Nische betrachtet wurden, zeigt die Faktenlage, bezogen auf Klimawandel, Lieferkette oder die Anforderung einer guten Unternehmensführung, dass Unternehmen im Allgemeinen und Banken im Speziellen diese Aspekte nicht mehr von ihrem Kerngeschäft separieren können.
Seien es Nachfrageperspektive, Konkurrenzdruck oder konsistentes Risikomanagement in allen Bereichen der Unternehmensführung und in der Banksteuerung, treten Nachhaltigkeitsaspekte weiter in den Vordergrund mit teils umfangreichen Veränderungsbedarfen; auch für kleine und mittlere Betriebe. Diese Dynamik erstreckt sich auch zunehmend auf die Anforderungen an nachhaltigkeitsbezogene Informationen über das Unternehmen hinaus. Gegenwärtige Initiativen zielen unter anderem auch darauf ab, Auswirkungen aus der Lieferkette und damit die weitergehenden Geschäftsbeziehungen eines Unternehmens transparenter auszugestalten[3].
Um Licht in das Dickicht von Verordnungen, Gesetzesinitiativen, Merkblättern und Leitfäden zu bringen, gibt dieser Beitrag eine Übersicht über die bestehenden und anstehenden rechtlichen und aufsichtlichen Anforderungen, die im Kontext der Sustainable Finance Debatte auf nationaler und internationaler Ebene weiter vorangetrieben werden. Die betroffenen Häuser sollen sich damit in Planung und Umsetzung rechtzeitig und adäquat positionieren können. Zunehmend wird hierbei auch deutlich, dass ein Monitoring der nationalen Ebene nicht ausreichend ist, um abzusehende Anforderungen rechtzeitig in den Planungsprozess miteinzubeziehen. Hierbei geht es nicht nur darum, akute Anforderungen umzusetzen, sondern sich zukunftsorientiert im Leistungsportfolio, im Ressourcenmanagement, in der Unternehmenskommunikation aber auch in der Personalausstattung und beim Recruiting entsprechend zu positionieren.
Um die genannten Folgeprozesse in der richtigen Art und Weise anzugehen ist es daher unabdinglich, sich ein Bild der Zeitschiene der kommenden fünf Jahren vor Augen zu führen. Die konkrete Anleitung dafür wurde unter anderem von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) durch ihren Aktionsplan[4] bereitgestellt. Hierin wird deutlich, wie sich die Anforderungen in den kommenden Jahren verdichten werden, und dabei wird sich auch die Frage stellen, ob sich die bisherige Ausgestaltung des Geschäftsmodells unter den neuen Rahmenbedingen noch ausreichend profitabel so fortführen lässt bzw. welche Handlungserfordernisse hieraus entspringen. [...]
Beitragsnummer: 10750