Montag, 20. Dezember 2021

Damit der Aufschwung nicht zum Absturz wird

Mittelständler stehen unter Anpassungsdruck – gemeinsam können Finanzierer unterstützen

Carl-Jan von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter, Maturus Finance

 

Der prognostizierte Aufschwung läuft Gefahr, an vielen KMU vorbeizugehen. Corona-Krise, Materialmangel, Digitalisierung und steigende Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit fordern ihren Tribut. Banken können ihren Unternehmenskunden in dieser Zeit des Wandels ein wichtiger Begleiter sein – auch mit Hilfe externer, objektbasierter Finanzierungsmodelle.

 

I. Boom mit Hindernissen

1. Kommt der Aufschwung dieses Jahr?

Bisher vereitelte die Materialkrise die ersehnte wirtschaftliche Erholung weitgehend. Experten mussten ihre anfänglichen Hoffnungen an das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes spätesten im letzten Quartal des Vorjahres zurückschrauben: Die Gemeinschaftsprognose[1] der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute ging im Herbst 2021 nur noch von einem Wachstum von 2,4 % für das Jahr aus. In der Frühjahrsprognose erwarteten die Wirtschaftswissenschaftler noch 3,7 % BIP-Zuwachs.

Auch das Winterhalbjahr 2021/2022 wird nicht allzu optimistisch eingeschätzt. So gehen die Experten davon aus, dass die Erholung weiter gebremst werde – sowohl im Dienstleistungs- als auch im verarbeitenden Gewerbe. Erst im Laufe des Jahres sollen die Belastungen durch die Corona-Pandemie und Materialengpässe zurückgehen und sich der Betrieb in den Unternehmen zusehends normalisieren. Die Gemeinschaftsprognose erwartet für 2022 aktuell insgesamt ein Wachstum von 4,8 %. Im Vergleich zu den Jahren im Zeichen der Pandemie – und auch denen davor – wäre das ein regelrechter Boom. Allerdings muss aus jetziger Perspektive bedacht werden, dass zum Zeitpunkt der Prognose das Infektionsgeschehen eher moderat war. Die Intensität, mit der die vierte Welle über die Bundesrepublik hereinbrach, war damals kaum abzusehen. Dieses neuerliche Auflodern der Pandemie dürfte die Herausforderungen weiter hoch halten und den Aufschwung bremsen. Das könnten vor allem auch KMU zu spüren bekommen. 

 

2. Die Materialfrage ist existenziell

Die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen haben die gewohnten wirtschaftlichen Verhältnisse in den letzten fast zwei Jahren in mehrfacher Hinsicht ins Gegenteil verkehrt: So sind – trotz massiver Herausforderungen – nicht nur die Insolvenzzahlen auf ein Allzeittief gefallen, auch das Verhältnis von Auftragslage und Unternehmensentwicklung ist zuletzt durcheinandergeraten: Die Bücher sind bei vielen Unternehmen voll, – etwa im Bausektor oder der Mobilitätsbranche – dennoch nimmt die Produktivität ab. Aufgrund des Material- und Rohstoffmangels können viele Betriebe die Nachfrage schlicht nicht mehr bedienen. Wohl am schwersten betroffen ist die ohnehin angespannte Automobilbranche. So musste beispielsweise das Eisenacher Werk des Herstellers Opel für mehrere Monate den Betrieb ruhen lassen. Es fehlte an Halbleitern, um die im Bau befindlichen Fahrzeuge fertigzustellen. Die Materialfrage wird für Unternehmen immer brisanter, existenzieller. Das zeigte sich auch am 19. Restrukturierungsbarometer[2] von Struktur Management Partner und Finance. Hier gaben 64 % der befragten Experten an, die von ihnen betreuten Unternehmen seien stark oder sehr stark von den aktuellen Lieferkettenproblemen betroffen – als unproblematisch wurde die Situation von keinem einzigen beschrieben.

Holz, Stahl, Erdöl und zuletzt Halbleiter und Magnesium – die Rohstoff- und Materialengpässe sind in allen verarbeitenden Branchen spürbar. Die Folge davon sind massive Preisanstiege wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Im Rahmen der Studie werden die steigenden Materialpreise zu 78 % als besorgniserregend oder existenzgefährdend eingeschätzt. Selbst wenn Unternehmen den Engpässen entgehen können, wird der Einkauf entsprechend zur immer größeren Belastung für Liquidität und Bestand. Diese Herausforderungen stellen in der aktuellen Zeit des Wandels für viele KMU allerdings nur die Spitze des Eisbergs dar.

 

3. Großbaustellen Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Vor allem die Digitalisierung treibt die Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft seit vielen Jahren vor sich her: Gewohnheiten ändern sich grundlegend, Prozesse müssen angepasst werden, neue Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die Pandemie hat gezeigt, wie essenziell digitale Technologien und Lösungen mittlerweile sind. Viele Mittelständler stehen in diesem beschleunigten Strukturwandel allerdings noch am Anfang ihres Transformationsprozesses – Ängste und Vorbehalte bestehen nach wie vor. Das spiegelt sich auch in den Zahlen des Restrukturierungsbarometers wider. Hier sehen 67 % die Digitalisierung als größte exogene Gefahr – direkt hinter den Auswirkungen der Pandemie, vor denen sich 72 % fürchten. Dabei ist der digitale Wandel nicht vordergründig als Gefahr für KMU zu sehen, vielmehr sollte er als Chance begriffen werden, das eigene Geschäftsmodell und die gewohnten Prozesse weiterzuentwickeln. Die Digitalisierung kann sogar helfen, weitere Herausforderungen wie den Klimawandel und das Thema Nachhaltigkeit anzugehen.

Mit dem seit August 2021 geltenden Klimaschutzgesetz wurden die Zielvorgaben beim Thema Klimaneutralität nochmals verschärft. Sie sollen nun bis 2045 erreicht werden. Das sind fünf Jahre früher als bisher. Auch das ab 2022 europaweit geltende ESG-Gesetz dürfte bei vielen Unternehmen für Herausforderungen sorgen. Es legt erstmals Standards für nachhaltige Produkte und Leistungen fest. Das Gesetz verlangt von Unternehmen nicht nur Auskünfte und Nachweise, sondern erfordert in vielen Fällen auch eine Anpassung von Angebot und Prozessen. Dies wird mit umfassenden Investitionen verbunden sein, denn viele Mittelständler haben noch einen weiten Weg in Sachen Green Economy zu gehen. Das zeigt auch eine repräsentative Umfrage[3] der DZ Bank. Demnach berücksichtigen etwa beim Thema Lieferketten gerade einmal 29 % der KMU Nachhaltigkeitskriterien. Diesbezüglich wird von den Studienautorinnen und -autoren zu Recht auf das Lieferkettengesetz verwiesen, das 2023 in Kraft tritt. Es schreibt vor, dass Unternehmen dafür sorgen müssen, dass entlang ihrer Lieferketten keine Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschädigungen auftreten. Das Gesetzt gilt formal zwar nur für große Unternehmen, indirekt sind davon allerdings auch Mittelständler betroffen, die diese mit Teilen beliefern. Weiter vorangeschritten ist die Entwicklung beim Thema Kreislaufwirtschaft. So setzen bereits 77 % der Befragten auf Recycling und ein optimiertes Abfallmanagement. Doch derartige Investitionen verursachen einen entsprechenden Aufwand: Mehr als jeder zweite Mittelständler rechnet auf dem Weg zur Nachhaltigkeit mit zusätzlichen Kosten.

 

4. Die Herausforderung kann auch Lösung sein 

Dass gerade die Digitalisierung beim Thema Nachhaltigkeit ein wichtiges Instrument sein kann, hat eine Accenture-Studie im Auftrag von Bitkom[4] gezeigt. Demnach könnte durch einen beschleunigten Einsatz von digitalen Technologien in den kommenden zehn Jahren knapp ein Fünftel der heutigen CO2-Emissionen eingespart werden. Besonders große Effekte ergeben sich demzufolge für die Bereiche industrielle Fertigung, Mobilität und Energie. Etwa durch intelligente Stromnetze, smarten Verkehr und Logistik, vorausschauende Wartung, Automatisierung in der Produktion oder digitale Zwillinge. Durch Letztere können neue Betriebs- und Produktionsprozesse vor der realen Umsetzung energie- und ressourcenschonend am Rechner simuliert und optimiert werden. Allerdings hat Deutschland auf dem Gebiet der Digitalisierung im Ländervergleich – etwa mit Japan oder Großbritannien – massiven Aufholbedarf. Laut Untersuchung[5] von KfW Research müssten die jährlichen IT-Investitionen auf das Doppelte bis Dreifache steigen, um hier aufzuschließen – von 49 Mrd. auf bis zu 150 Mrd. Euro. Doch digitale Technologien und Systeme zu entwickeln und zu implementieren erfordert nicht nur Liquidität und eine entsprechende Finanzierung – es benötigt auch neue Ansätze und Ideen. Gerade innovative, junge Unternehmen stehen allerdings häufig ebenfalls unter Druck.

 

5. Start-ups: Hoffnungsträger mit ungewisser Zukunft?

Laut dem deutschen Start-up-Monitor für 2021[6] hat sich das Geschäftsklima im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Allerdings geben 51 % der befragten Start-up-Unternehmen an, immer noch durch die Krise beeinträchtigt zu sein. Dauerthemen für die hiesigen Start-ups scheinen die Bereiche Kapitalbeschaffung sowie Cashflow und Liquidität zu sein. Diese werden von knapp 36 beziehungsweise 28 % der Gründerinnen und Gründer als größte Herausforderungen genannt. Bezeichnend für die Finanzierungssituation der Firmen ist auch der Bereich Venture Capital: Über 42 % würden gern eine solche Finanzierung nutzen, doch lediglich 19,8 % der Start-ups konnten bisher auf Wagniskapital zurückgreifen. Bei der Suche nach strategischen Investoren sieht es noch schwieriger aus: 43 % der Befragten möchten sich auf derartige Partner stützen können. Tatsächlich ist diese Möglichkeit aber nur für 15 % gegeben. Dabei sind Start-ups der Schlüssel zu einem auch zukünftig konkurrenzfähigen Standort Deutschland. Sie entwickeln Ideen, Technologien und Innovationen, die helfen, Herausforderungen wie die digitale Transformation oder den Klimawandel anzugehen. Gerade das Thema Nachhaltigkeit wird Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in den nächsten Jahren prägen. Gründende haben das erkannt – bereits jetzt ordnen, laut der Umfrage, 43 % ihre Produkte und Dienstleistungen der Green Economy zu. 61 % wollen zudem nachhaltig sein und zugleich schnell wachsen. Hier sollen Technologien wie KI und Industrie 4.0 eine zentrale Rolle spielen.

Die meisten Jungunternehmen möchten auch als Arbeitgeber wachsen – neun von zehn Start-ups wollen in den kommenden Monaten neues Personal rekrutieren. Hier lauert allerdings die nächste Herausforderung: Der Fachkräftemangel schlägt immer stärker zu Buche. 27 % der Gründerinnen und Gründer geben die schwierige Suche nach geeignetem Fachpersonal mittlerweile als größte Hürde an – das sind zehn Prozent mehr als bei der letzten Umfrage. Bekommen die jungen Unternehmen nicht die nötige Unterstützung und finden sie nicht die passenden Partnerschaften, kann es schwierig werden, die künftige Vorreiterrolle auch einzunehmen. Damit entgehen in vielen Fällen auch etablierten Unternehmen essenziellen Partnerschaften. Denn ohne agile Technologiepartner wird es manchem KMU schwerfallen, sich in der gebotenen Geschwindigkeit auf die neuen Voraussetzungen einzustellen. Was wachsende Firmen und sich wandelnde Mittelständler schon heute eint: Für Bankpartner ist es zunehmend komplex, sie mit passenden Lösungen zu bedienen.

 

II. Kreditgeber können Veränderungsprozesse unterstützen 

Hausbanken können den Anfragen ihrer Unternehmenskunden nicht in jedem Fall nachkommen. Das zeigt etwa die KfW-ifo-Kredithürde[7]. Hier berichtet jeder fünfte Mittelständler in Kreditverhandlung von einem restriktiveren Bankverhalten. Die Hürden befinden sich damit weiterhin auf überdurchschnittlichem Niveau. Gerade in herausfordernden Situationen ist es für Unternehmen schwierig, an Kredite zu gelangen.

Den Machern des 19. Restrukturierungsbarometers zufolge prüft jede fünfte Bank Unternehmenskredite nach wie vor kritisch. 19 % der Finanzierer seien zudem gezwungen, bestimmte Branchen weiterhin von neuen Krediten auszuschließen. Selbst wenn Kredite gewährt werden, müssten Unternehmenskunden mit Restrukturierungsbedarf mit einem verschärften Risikomanagement der Finanzierer rechnen. Der Befragung zufolge stellen 53 % der Banken höhere Anforderungen an die Dokumentation. Hinzu kommen höhere Margen bei 23 % und strengere Covenants bei 20 % der Geldgeber.

Start-ups und Wachstumsunternehmen zu bedienen, ist für klassische Kreditgeber daneben generell komplex – hier decken sich die Risikopotenziale selten mit den Vorgaben und Erwartungen. Doch Bankhäuser können sich bei entsprechenden Anfragen auf Partner aus der Asset Based Finance stützen, die ihre Lösungen genau für derartige Sondersituationen von Unternehmen entwickelt haben. Existiert für einen Kunden oder eine Kundin keine Inhouse-Lösung, gibt es womöglich einen externen, objektbasierten Ansatz. Dadurch wird ein KMU oder ein Start-up befähigt, seine Entwicklung weiter voranzubringenbleibt dem Haus als Kunde jedoch erhalten. Zudem kann sich das Kreditinstitut durch Provisionsmöglichkeiten eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. Zwei Modelle, die gerade in Zeiten der Veränderung und Krise Lösungen anbieten, sind Asset Based Credit und Sale & Lease Back. 

 

III. Der objektbasierte Ansatz Asset Based Credit

1. Umfassende Möglichkeiten in der Besicherung

Unternehmen vieler Branchen besitzen ein umfangreiches Set an Vermögensgegenständen. Dazu gehören neben industriellen Produzenten und Verarbeitern auch Händler und Dienstleister. Selbst Start-ups – etwa im Bereich des E-Commerce, des Leasings oder der Abo-Modelle – besitzen oft Assets und erfüllen damit eine zentrale Zugangsvoraussetzung für eine objektbasierte Finanzierung. Denn: Im Rahmen eines Asset Based Credits kann neben Anlagevermögen auch Umlaufvermögen als Sicherheit dienen. Letzteres ist für ein Bankhaus meist nicht besicherbar. Der externe Ansatz bietet Unternehmenskunden dagegen die Möglichkeit, etwa Bestände aus Waren- und Rohstofflagern, Sachwerte oder Immobilien einzusetzen und so an einen kurzfristigen Kredit zu gelangen. KMU mit einem entsprechenden mobilen Anlagevermögen aus Maschinen oder Anlagen können daneben auch dieses einsetzen, um den Spezialkredit zu besichern.

Die Bonität des Finanzierungsnehmers spielt bei dieser Lösung nur eine untergeordnete Rolle. Damit das objektbasierte Modell zum Tragen kommen kann, müssen stattdessen die entsprechenden Vermögensgegenstände zentrale Voraussetzungen erfüllen. Bei Umlaufvermögen etwa darf es sich nicht um unfertige Produkte oder verderbliche Waren handeln. Anlagevermögen muss wertbeständig, mobil und fungibel sein. Deshalb wird vom Finanzierungspartner beispielsweise ein Maschinengutachten angefertigt oder es werden der aktuelle Warenbestand und der Warenumschlag der letzten Monate ausgewertet.

 

2. Finanzielle Opportunitäten ergreifen

Geht es um die Verwendungsmöglichkeiten eines Asset Based Credit, wird auch deutlich, weshalb der Ansatz zur Opportunity Finance gezählt wird: Er sorgt in ganz unterschiedlichen Situationen für unternehmerische Liquidität. Investitionen in ein nachhaltiges Angebot sind damit ebenso möglich wie solche in die Digitalisierung der Produktionsprozesse. Der Ansatz hilft gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise auch bei der Überbrückung von Flauten und der Abmilderung von Kriseneffekten oder stellt Working Capital bereit. Die liquiden Mittel sind von Unternehmenskunden auch nutzbar, um Alt-Gesellschafter auszuzahlen oder um als Baustein eine M&A-Transaktion zu ergänzen. Mittelständler können durch die hinzugewonnene Liquidität zudem ihre Lagerkapazitäten an die aktuelle Situation anpassen. Restrukturierungen, Sanierungsmaßnahmen oder Auftragsvorfinanzierungen nach einer überstandenen Krise sind im Rahmen eines Asset Based Credit ebenfalls möglich. Die beleihbaren Summen liegen zwischen 250.000 und drei Mio. Euro. Die Laufzeiten der Kredite bewegen sich im kurz- bis mittelfristigen Bereich.

 

3. In jeder Lebensphase nutzbar

Die Einsatzgebiete erstrecken sich nicht nur auf unterschiedliche Herausforderungen des Unternehmensalltags und verschiedene Branchen, sondern auch auf die einzelnen Entwicklungsphasen von Unternehmen. So können bereits Start-ups, mit einem festen Risikokapitalgeber im Rücken, auf die objektbasierte Finanzierung zugreifen. Die jungen Firmen können damit etwa Betriebsmittel finanzieren oder ihr Wachstum realisieren. Einer Bank sind hier meist die Hände gebunden, solange ein Kunde die Gewinnschwelle noch nicht erklommen hat – selbst, wenn die Experten im Haus durchaus das Potenzial eines innovativen Geschäftsmodells erkennen oder die junge Firma als möglichen künftigen Kunden ansehen. Gemeinsam mit einem Partner für Asset Based Credit kann die Unterstützung allerdings gelingen, kann das junge Unternehmen an dringend benötigtes Fremdkapital gelangen. Hier werden entsprechende Lösungen sicher immer gefragter, da die Entwicklung der Wirtschaft zunehmend vom Innovationsvermögen der Start-ups abhängt. Der dreifachen Herausforderung aus Krise, Digitalisierung und Nachhaltigkeit wird anders kaum beizukommen sein. 

Ebenso entscheidend ist es jedoch, dass sich etablierte Unternehmen ihrem durch die Corona-Pandemie offengelegten Entwicklungsbedarf stellen. Das reicht von leichten Kurskorrekturen bei Angeboten oder Prozessen bis hin zum ernsthaften Richtungswechsel im Rahmen einer Restrukturierung. Da Asset Based Credit weitgehend bonitätsunabhängig ist, steht das Modell auch in diesem Zusammenhang zur Verfügung. Der Ansatz kann bei Bedarf auch zu einem Massedarlehen verhelfen und wird damit auch für die Work-Out-Abteilung einer Bank zur relevanten externen Option: Über das Instrument findet womöglich ein notleidender Unternehmenskunde einen Ansatz und das Bankhaus gewinnt Zeit, um längerfristige Lösungen zu entwickeln.

 

IV. Assetbasierte Innenfinanzierung: Sale & Lease Back

1. Wandel über mobiles Anlagevermögen finanzieren

Bei dieser Art der objektbasierten Finanzierung verkaufen produzierende oder verarbeitende Unternehmen ihr werthaltiges Anlagevermögen wie Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks in einem ersten Schritt an einen Finanzierungspartner. Im zweiten Schritt leasen sie es allerdings umgehend wieder zurück. Durch Sale & Lease Back (SLB) werden somit die Vorzüge eines Verkaufs und einer ununterbrochenen Nutzung der Produktionsmittel kombiniert. Die so frei werdenden Mittel können von KMU beispielsweise für eine Prüfung und Neuaufstellung der Lieferkette oder für die Etablierung smarter und nachhaltiger Verfahren in Verarbeitung, Produktion oder Logistik verwendet werden. Dank SLB können solche Transformationsprozesse schonend für das operative Geschäft angestoßen und vorangetrieben werden: Der Unternehmenskunde muss seinen laufenden Betrieb zu keiner Zeit des Finanzierungsprozesses unterbrechen. Die Maschinen verbleiben an Ort und Stelle. 

Von den regulären Umsatzgrößen her ist das Finanzierungsmodell für Unternehmen mit Umsätzen zwischen fünf und 250 Mio. Euro im Jahr geeignet. Das Finanzierungsvolumen liegt in der Regel zwischen 400.000 und 15 Mio. Euro. In Einzelfällen kann es auch darüber hinausgehen. Bankberaterinnen und -berater können KMU vor dem Hintergrund unterschiedlicher Herausforderungen auf das Modell verweisen. Gerade auch in unsicheren Zeiten, bei Krisen oder strukturellen Veränderungen greift es aufgrund seiner Bonitätsunabhängigkeit.

 

2. Unterstützung in Anpassungsprozessen

Sale & Lease Back kann dabei unterstützen, erforderliche Anpassungen an den digitalen Wandel oder an die Anforderungen des nachhaltigen Wirtschaftens vorzunehmen. Selbst, wenn bei einem Firmenkunden umfassendere Restrukturierungen anstehen, kann SLB zeitnah für die erforderliche Liquidität sorgen. Werden notwendige Korrekturen nicht schnell genug vorgenommen, ist leicht die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gefährdet. Da sich dies schnell zur existenziellen Krise auswächst, muss finanzierungsseitig umgehend und flexibel reagiert werden.

Sale & Lease Back weist einen kurzen Finanzierungsprozess auf und ist damit für herausfordernde Situationen geeignet. In der Regel dauert es von der ersten Anfrage bis zur finalen Auszahlung des Kaufpreises sechs bis acht Wochen. Auch in einem fortgeschrittenen Sanierungs- oder Insolvenzfall kann SLB noch greifen und dabei helfen, die Wende einzuleiten. Das Anwendungsspektrum der Finanzierung umfasst zudem weitere Anlässe, die eine Bank rein inhouse oft nicht stemmen kann. Etwa: Nachfolgen, distressed M&A oder die Auftragsvorfinanzierung nach der Krise.

 

3. Kredite begünstigen, Reserven heben

Da Sale & Lease Back nach dem Prinzip einer Innenfinanzierung funktioniert, steigert es auch die Eigenkapitalquote eines Unternehmenskunden. In einer komplexen Wirtschaftslage kann dies das Signal sein, auf das ein Bankpartner wartet. Schließlich verbessert sich durch das gestiegene Eigenkapital in der Regel auch das Ergebnis im Bonitäts-Rating. Dadurch entspannt sich die Beziehung zum Firmenkunden und es bietet sich womöglich die Option einer erneuten Darlehensvergabe. Sind die betreffenden Assets eines Firmenkunden in seiner Bilanz größtenteils abgeschrieben, ergibt sich eine zusätzliche Stärkung seines wirtschaftlichen Eigenkapitals: Oft können durch SLB stille Reserven gehoben werden. Hinzu kommt ein Steuervorteil des Leasings für den Kunden, da die Raten für die weitere Nutzung der Maschinen und Anlagen teils als Betriebsausgaben abzugsfähig sind.

 

4. Mobiler Maschinenpark unverzichtbar

Damit Sale & Lease Back in der Finanzierung greift, sollten die Vermögensgegenstände eines KMU werthaltig und sekundärmarktfähig sein. Die gebrauchten Assets müssen im Zweifel vom Finanzierungspartner weiterverkauft werden können und dürfen auch langfristig nicht maßgeblich an Wert verlieren. Daneben haben die Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge vor allem zahlreich und fungibel zu sein. Der jeweilige Maschinen- oder Fuhrpark muss aus einer Reihe marktgängiger und einzeln austauschbarer Assets bestehen. Sonder- und Einzelanfertigungen sowie Prototypen sind nicht SLB-geeignet. Sind die Assets zudem kompliziert verkettet oder mit der Fabrikhalle verbaut und entsprechend nicht transportfähig, sind sie für Sale & Lease Back ebenfalls ausgeschlossen.

 

PRAXISTIPPS

  • Viele Mittelständler stehen unter Anpassungsdruck und erfordern von Banken ein erhöhtes Risikomanagement.
  • Gibt es für Unternehmenskunden, etwa im Wachstum, in einem Anpassungsprozess oder einer Restrukturierung, keine interne Lösung, können Banken auf externe, objektbasierte Modelle verweisen.
  • Die Kundenbeziehung bleibt bestehen, zusätzliche Einnahmequellen und Synergien ergeben sich.
  • Besitzt ein KMU Sicherheiten in Form von Anlage- und Umlaufvermögen, stellt Asset Based Credit eine Lösung dar.
  • Ist ein KMU maschinen-, anlagen- und fuhrparklastig, kann Sale & Lease Back ein Finanzierungsansatz sein.

 

[1] https://www.rwi-essen.de/presse/mitteilung/455/

[2] https://www.struktur-management-partner.com/en/insights/aktuelles/detail/19-restrukturierungsbarometer

[3] https://www.dzbank.de/content/dzbank/de/home/die-dz-bank/presse/pressemitteilungen/2021/sonderumfrage-immittelstandnachhaltigkeitinlieferkettennochzukun.html

[4] https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Digitalisierung-kann-jede-fuenfte-Tonne-CO2-einsparen

[5] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_674368.html

[6] https://www.pwc.de/de/branchen-und-markte/startups/deutscher-startup-monitor.html

[7] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_676160.html


Beitragsnummer: 18395

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