Dienstag, 28. Juni 2022

Aufbietungsliste im Auge behalten

Mit dem Verkehrsblatt-Monitoring schützen sich Finanzinstitute vor dem Verlust ihrer wichtigsten Sicherheit

Frank Schottenheim, Director Financial Institutions, Risikomanagement, PS Team GmbH

 

I. Not macht erfinderisch

Die Bundesbank erwartet eine Inflation von über sieben Prozent. „Die Verbraucherpreise werden in diesem Jahr noch stärker steigen als Anfang der 1980er-Jahre", so Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Da auf der anderen Seite die Finanzierung von größeren Anschaffungen wie bspw. Autos „volkswirtschaftlich gewollt und gesellschaftlich anerkannt“ ist, so die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV), braut sich eine gefährliche Gemengelage zusammen: Privathaushalte sind immer knapper bei Kasse und können Kredite zunehmend nicht mehr bedienen. Die Anzahl der überschuldeten Menschen in Deutschland wird auf drei bis sieben Mio. geschätzt.

Die eingetrübte Großwetterlage wirkt sich auch auf Banken und Leasinggesellschaften aus. Sie müssen mit einem höheren Ausfallrisiko rechnen. Nach wie vor ist das Auto das wichtigste Finanzierungsgut. Der Bankenfachverband gibt das Neugeschäft mit Kfz-Krediten und Kfz-Leasing für das vergangene Jahr mit 31,7 Mrd. € an. Ende 2021 lag der Bestand bei 79,4 Mrd. €. Neben dem Ausfallrisiko birgt dieses Geschäft die Gefahr, dass Kreditnehmer ihre Fahrzeuge ohne Zustimmung des Finanzierers veräußern. Während sich die Branche per se mit Betrug auseinandersetzen muss, kommen nun aus der Not geborene Taten hinzu, um Liquiditätsengpässe zu überwinden. Auch diese gilt es, in die Fraud Prevention einzubeziehen.

 

II. Verkehrsblatt-Monitoring erhöht Sicherheit

1. Aufbietung: den Banken bleibt nicht viel Zeit

Damit Fahrzeughalter ein finanziertes Auto verkaufen können, müssen sie den Ersatz der beim Kreditgeber befindlichen ZB II – des sogenannten Fahrzeugbriefs – beantragen. Dazu genügt es, den Verlust des Dokuments eidesstattlich zu erklären. Anschließend veröffentlicht das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die ZB II im elektronischen Verkehrsblatt. Banken und Leasinggesellschaften bleibt allerdings nur wenig Zeit, um zu intervenieren, denn bereits nach 16 Tagen stellt die Behörde das Ersatzdokument aus. Der Fahrzeughalter ist nun in der Lage, das Kfz zu verkaufen oder einem weiteren Institut zur Finanzierung anzubieten: Das ungültige Original verliert für den Kreditgeber seinen Wert.

 

2. Effektive Prävention: systematisches Monitoring

Damit es nicht so weit kommt, bietet PS Team ein umfassendes Verkehrsblatt-Monitoring an. In diesem Rahmen werden die ZB-II-Bestände der Bank oder Leasinggesellschaft täglich mit den aufgebotenen Dokumenten abgeglichen. Da viele Institute das gesicherte Archiv des Dienstleisters nutzen, liegt es nahe, das Monitoring als ergänzenden Service hinzuzubuchen, um das Sicherheitsniveau zu erhöhen. In diesem Fall prüfen die Mitarbeitenden im Archiv, ob es Übereinstimmungen gibt. Im Verdachtsfall wird recherchiert, wer die Aufbietung veranlasst hat, und diese so lange unterbrochen, bis das Institut klären konnte, ob es sich um eine Sicherheit aus dem eigenen Bestand handelt. Gegebenenfalls wird Einspruch erhoben.


3. Kurze Wege im bewährten Netzwerk

Entscheidend für das erfolgreiche Verkehrsblatt-Monitoring sind der reibungslose Datenaustausch mit dem KBA, damit die Informationen zügig mit den Beständen der Institute abgeglichen werden können, der schlanke Gesamtprozess sowie eine gute Vernetzung mit der Bundesbehörde und den Zulassungsstellen. Viele Banken und Leasinggesellschaften lassen ihre ZB-II-Nummern über die bewährten Systeme kontrollieren. Sie profitieren von kurzen Wegen, die der Dienstleister in Jahrzehnten geebnet hat.

 

III. Wertentwicklung und regulatorische Anforderungen

1. Wertentwicklung – eine Wissenschaft für sich 

Neben dem kompletten Verlust der Sicherheit „Auto“ sind Finanzierer weiteren Risiken ausgesetzt: Es erfordert zwar nicht viel Aufwand, den aktuellen Wert eines Pkws zu ermitteln. Dazu genügt ein Blick in den DAT-Report oder die Schwacke-Liste. Eine Gleichung mit vielen Unbekannten ist allerdings die Wertentwicklung, deren Prognose sich zunehmend schwierig gestaltet: Zahlreiche Faktoren – von Klimaschutzpolitik bis Krieg gegen die Ukraine – schlagen sich in der Wertentwicklung nieder, wobei sich die Auswirkungen häufig nur schwer vorhersagen lassen. Ältere E-Autos bspw. gelten als „Restwert-Fallen“. So zitiert die Auto-Zeitung Martin Weiss, den Leiter der DAT-Fahrzeugbewertung: „Die Preisdifferenz zwischen einem neuen und einem gebrauchten E-Auto ist oftmals zu gering, als dass es für Käufer:innen attraktiv wäre, sich für den Gebrauchtwagen zu entscheiden."

Die hohe Nachfrage nach den Services Zulassung von E-Autos, Antragsstellung für die Prämien und THG-Quoten-Verkauf im Flottensegment von PS Team bestätigen den Trend zum elektrisch betriebenen Neuwagen. Für Privatkunden könnte sich die Spekulation auf die hohen Verkaufsförderprämien jedoch schnell als Milchmädchenrechnung erweisen: Kinderkrankheiten und hohe Innovationsquoten lassen die Stromer schon nach wenigen Jahren alt aussehen – und das schlägt sich im Restwert nieder.

 

2. IT-gestütztes Monitoring

Das Risiko trägt nicht selten der Finanzierer. Die EBA-Leitlinien zur Kreditvergabe und Kreditüberwachung (EBA/GL/2020/06) erlauben die Bewertung der Sicherheit „Automobil“ über statistische Modelle wie die DAT-Fahrzeugbewertung oder Schwacke-Restwertprogramme. Allerdings bergen unvorhersehbare Marktentwicklungen ein enormes Risiko, da die Kreditgeber in der Regel Massen von Fahrzeugen in ihren Beständen haben. Entsprechend hohe Anforderungen stellt die Aufsicht an die statistischen Bewertungsmodelle und verlangt u. a. ein regelmäßiges Backtesting modellbasierter Bewertungen mit den am Markt tatsächlich realisierten Werten.

Die Neuwagenknappheit treibt die Preise, auch von Gebrauchtfahrzeugen, derzeit in ungeahnte Höhen. Doch lassen die Preise kaum Schlüsse auf die mittelfristige Wertentwicklung zu. Das erschwert es den Instituten, die regulatorischen Anforderungen an das Monitoring umzusetzen. Großen Wert legt die Aufsicht auf die Aktualität der Sicherheitenbewertung. In dieser Hinsicht leistet das Verkehrsblatt-Monitoring einen wertvollen Beitrag. Es ergänzt das IT-gestützte Monitoring und schützt automatisiert vor dem Verlust der Sicherheiten. Nimmt die Anzahl der Übereinstimmungen der aufgebotenen ZB II mit den eigenen Beständen zu, kann das ein Indiz für ein erhöhtes Risiko sein: Die Bank oder Leasinggesellschaft ist in der Lage, frühzeitig zu reagieren und geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

 

IV. Risikomanagement: Instrumente sinnvoll kombinieren

Wenngleich das Verkehrsblatt-Monitoring aktuell aufgrund der herausfordernden Rahmenbedingungen noch einmal an Bedeutung gewinnt, handelt es sich dabei nur um ein Instrument, das in eine Gesamtstrategie zum Schutz vor Ausfall- und Marktrisiken eingebettet werden sollte. So versetzt bspw. eine Kommunikationsplattform die Unternehmen in die Lage, Mehrfachfinanzierungen vor dem Vertragsabschluss und während der gesamten Kreditlaufzeit zu erkennen. Das kosteneffiziente Outsourcing von Bestandsprüfungen an den europäischen Marktführer erhöht die Sicherheit in der Einkaufsfinanzierung, zumal für eine engmaschige Überwachung digitale Tools eingesetzt werden können. Mit den richtigen Schutzmaßnahmen gelingt es Banken und Leasinggesellschaften, auch in schwierigen Zeiten die Chancen zu nutzen, die die Finanzierung von Pkws nach wie vor bietet.  

 

PRAXISTIPPS

  • Erhöhen Sie Ihre Wachsamkeit bei der Finanzierung von Fahrzeugen und hochwertigen Konsumgütern. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage wächst das Betrugsrisiko.
  • Prüfen Sie die hinterlegten ZB II regelmäßig, um Ausfallrisiken im Griff zu behalten.
  • Ziehen Sie in Erwägung, einen erfahrenen Dienstleister mit dem Verkehrsblatt-Monitoring zu betrauen – für ein hohes Sicherheitsniveau mit geringem Ressourceneinsatz. 

Beitragsnummer: 19443

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