Impact Investing

Freitag, 29. November 2019

Ein spannendes und zukunftsweisendes Thema für Vermögende und Family Offices.

Peter Brock, Leiter der Arbeitsgruppe Family Offices der Bundesinitiative Impact Investing

Peter Jäderberg, Geschäftsführer des Impact Investors Jäderberg & Cie., Hamburg

I. Definition von Impact Investing

Ist Impact Investing eine eigene Assetklasse? Produziert Impact Investing zwangsläufig eine niedrigere Finanzrendite als „normale“ Investments oder sogar eine höhere, weil besonders nachhaltige Anlagen langfristig besser rentieren? In diesem Bereich herrschen viel Anglizismen vor: Social impact investing, social investing, positive impact investing, SDG investing (Sustainable Development Goals), mission investing, etc. pp. Daher stellt sich die Frage: Wie kann man Impact Investing für Deutschland definieren?

Auf Deutsch bedeutet „Impact Investing“ zunächst einmal „wirkungsorientiertes Investieren“. Gemäß der Definition der in Gründung befindlichen Bundesinitiative Impact Investing (https://bundesinitiative-impact-investing.de) ist wirkungsorientiertes Investieren als Form der privaten Kapitalanlage zu verstehen, die über die reine Orientierung an (finanzieller) Rendite und Risiko hinausgeht. Mit eingeschlossen ist die Absicht, auch positive soziale und/oder ökologische Wirkungen zu erzielen – und dies möglichst direkt, intendiert und nachweisbar. Im Vordergrund steht neben der expliziten sozialen Intention auch die Verpflichtung, die Wirkungen zu messen, zu kommunizieren und zukünftiges Handeln davon leiten zu lassen.

Ein wenig detaillierter und in Übereinstimmung mit dem internationalen Global Impact Investing Network (The GIIN[1]) lässt sich hinzufügen, dass

- es sich um Investitionen in Unternehmen, Organisationen, Projekte und Fonds handeln kann; d. h. Impact Investing kann sowohl mit liquiden Anlageprodukten der Finanzbranche betrieben werden als auch mit illiquiden Investitionen, z. B. in Sozialunternehmen, Start-ups, Immobilien oder auch Windparks, nachhaltig wirtschaftenden Plantagen und anderen Sachanlagen,

- der Investor die klare Absicht verfolgt, eine vorab definierte Wirkung proaktiv zu erreichen und fortdauernd zu evaluieren beziehungsweise zu messen,

- die Renditeerwartung mindestens zum Kapitalerhalt führen soll, aber auch darüber hinaus eine marktübliche, risikobereinigte finanzielle Rendite erzielt werden sollte.

II. Der Markt für Impact Investing

Der Markt für wirkungsorientiertes Investieren ist in Deutschland nach wie vor sehr klein. Laut der Marktstudie „GIIN Investor Survey 2019“[2] hat der globale Markt ein Volumen von 239 Mrd. US-Dollar bei einem Wachstum von 17 % von 2017 auf 2018. Andere Studien nennen Volumina von bis zu 502 Mrd. US-Dollar. In der GIIN Studie konstatieren 90 % der Befragten, dass ihre Erwartungen in Bezug auf Rendite und Wirkung bei Impact Investing-Projekten erfüllt werden.

Gerade in der angelsächsischen Welt ist die Finanzierung sozialer Dienstleistungen und Projekte durch die private Hand historisch gewachsen: „Eine ausgeprägte Verpflichtung dem Gemeinwesen gegenüber scheint nicht nur der Durchschnittsamerikaner zu verspüren, sondern auch die wohlhabende Schicht. Wem die amerikanische Gesellschaft den Aufstieg zu Reichtum und Einfluss – from rags to riches [sic] – vergönnt hat, der gibt gemeinhin einen Teil davon an diese Gesellschaft zurück, aus persönlicher Dankbarkeit und als Reaktion auf eine öffentliche Erwartungshaltung.“[3] In Deutschland gibt es indes eine andere Tradition als in den USA oder Großbritannien; hierzulande wird die Förderung des Gemeinwesens und der Solidargemeinschaft viel stärker beim Staat und den Wohlfartsorganisationen verortet. Doch um auch in Deutschland vermehrt auftretende soziale Probleme zu lösen, wird in Zukunft auch hierzulande mehr privates Kapital nötig sein. Die öffentliche Hand wird nicht alles leisten können. Deshalb ist es wichtig, jetzt die Strukturen für wirkungsorientiertes Investieren zu schaffen und neue finanzielle Ressourcen – private wie institutionelle – zu erschließen, damit sich Impact Investing auch in Deutschland weiterentwickelt.

Ob „Fridays for Future“, „Dieselskandal“ oder Plastikmüll in den Meeren: Diverse umweltbezogene Themen in der öffentlichen Diskussion erhöhen Druck und Nervosität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht wenige Banken und andere Finanzdienstleister versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Es kommt zu unterschiedlichen Ausprägungen. Fondsanbieter, die – weil es Kunden so von ihnen gewohnt sind – gleichzeitig hohe finanzielle Renditen bieten wollen und müssen, bringen Produkte heraus, die nicht immer den sehr strengen Vorstellungen von Impact Investing entsprechen. Die Gefahr besteht, dass die Entwicklung durch „Greenwashing“ eine falsche Richtung nimmt, wenn der soziale beziehungsweise ökologische Mehrwert nicht gemessen und kommuniziert wird oder sogar gar kein Mehrwert vorhanden ist, sondern nur vorgetäuscht wird.

Der Aufbau eines Marktes in Deutschland, auf dem Angebot und Nachfrage effizient zusammenkommen, befindet sich noch in einer frühen Phase, getrieben von Pionieren in diesem Segment. Der nächste Schritt hin zu einer Integration von Impact Investing in das Finanzierungssystem der Sozialwirtschaft erfordert Pilotprojekte in mehreren ausgewählten Feldern der Sozialwirtschaft, wie es z. B. derzeit bei Social Impact Bonds geschieht. In der Zukunft wird es auch darum gehen müssen, das Nebeneinander von Wohlfahrtverbänden, Stiftungen und der öffentlichen Hand auf der einen Seite sowie von privatem und institutionellem Kapital auf der anderen Seite in eine konstruktive Zusammenarbeit zu verwandeln.

III. Rendite, Risiko, Liquidität und Wirkung/Impact

Das nachfolgende Diagramm veranschaulicht die Zusammenhänge bei jeglichen Finanzanlagen: Traditionell handelt es sich dabei um Rendite, Sicherheit (Risiko) und Liquidität, beim Impact Investing indes werden diese Parameter ergänzt um die soziale und/oder ökologische Wirkung, eben den „Impact“:

Bezüglich der Höhe der finanziellen Rendite im Impact Investing gehen die Meinungen auseinander, und jeder Investor beziehungsweise jedes Family Office wird hier seine eigenen Erwartungen haben: Für die meisten Investoren muss die Rendite mindestens den Kapitalerhalt sicherstellen beziehungsweise besser eine marktübliche Durchschnittsrendite der jeweiligen Assetklasse erreichen. Manche Investorengruppen nehmen durchaus einen gewissen Renditeverzicht in Kauf, wenn anderweitige soziale oder ökologische Mehrwerte mit dem Investment erreicht werden. Andere Investorengruppen hingegen sind nicht bereit, finanzielle Einbußen zu akzeptieren.

Vorhaltungen, die nachhaltigen beziehungsweise wirkungsorientierten Konzepten Defizite aus ökonomischer Sicht nachsagen, lassen sich durch internationale Erkenntnisse entkräften: Für die stärker entwickelten anglo-amerikanischen Märkte gibt es bereits etliche Studien, die belegen, dass besonders nachhaltige Unternehmenskonzepte auf langfristige Sicht höhere Renditen erzielen als Geschäftsmodelle, die unsere Umwelt weiterhin stark belasten oder aus sozialer Sicht inakzeptabel sind. Selbst in den USA wird wieder zunehmend diskutiert, dass ein „Stakeholder“-Ansatz, der die Interessen aller beteiligten Parteien berücksichtigt, besser und erfolgversprechender ist als eine rein kurzfristige Betrachtung des „Shareholder Value“. Das haben zuletzt rund 180 Top-Manager beim renommierten Wirtschaftsverband „Business Roundtable“ übrigens konkret beschlossen: Sie haben fast einheitlich festgelegt, der klassischen Fokussierung auf Umsatz- und Gewinnmaximierungen den Rücken zu kehren und ihr komplettes Geschäft neu zu orientieren, mit Fokus auf die Bedürfnisse von Kunden, Mitarbeiter und der Gesellschaft.

Grundsätzlich kann man zwischen „Impact First-Investoren“ und „Finance First-Investoren“ unterscheiden. Gemäß der Studie „Impact Investing: Konzept, Spannungsfelder und Zukunftsperspektiven“ des Feri Cognitive Finance Institue und der Univerität St. Gallen (2019) wollen erstere „durch ihr Investment primär soziale und/oder ökologische Wirkungen erzielen, während die Generierung der Rendite sekundärer Natur ist. Letztere stellen die finanzielle Rendite in den Vordergrund und nehmen dafür auch geringere soziale und/oder ökologische Wirkungen in Kauf.“[4]

In dieser Studie heißt es weiter: „Eine zentrale offene Frage bezieht sich auf die soziale und ökologische Qualität der angestrebten Wirkungen.“ Welche Wirkungen können überhaupt auf einer allgemein gesicherten Basis als sozial und/oder ökologisch wünschenswert bezeichnet werden? Für das Impact Investing wird allgemein vorausgesetzt, dass eine bestimmte Wirkung in direkter Weise erzielt wird und eine unmittelbare kausale Beziehung zwischen dem zusätzlichen Investment und der zusätzlichen Wirkung besteht und messbar ist. Die Feri-Studie fasst die aktuelle Marktsituation in dem folgenden Diagramm zusammen: „In Deutschland gibt es [...] noch etliche strukturelle Probleme, welche die Entwicklung des Impact Investing-Marktes hemmen. Darunter fallen u. a. eine geringe Investorenbasis, das Fehlen diversifizierter Intermediäre sowie eine begrenzte Anzahl investierbarer Unternehmen.“[5]

Es fehlt also in Deutschland an funktionierenden und transparenten Schnittstellen zwischen Kapital und Sozialunternehmen – daher hakt die Entwicklung noch ein wenig. Diese Schnittstellen müssen passgenau sein, sich markt- und bedarfsgerecht weiterentwickeln und letztlich für den deutschen Markt umsetzbar sein.

Die in Gründung befindliche Bundesinitiative Impact Investing wird derzeit von der Bertelsmann Stiftung, der BMW Foundation Herbert Quandt, Phineo und dem Bundesverband Deutscher Stiftungen gefördert. Sie möchte durch den Aufbau des Impact Investing-Ökosystems in Deutschland zusätzliches Kapital zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen mobilisieren und sozusagen die Deutungshoheit zu diesem Thema für Deutschland einnehmen. Sie versteht sich als Teil einer internationalen Gemeinschaft, die sich für die Verbreitung des Impact Investing-Ansatzes einsetzt und fungiert als National Advisory Board zur Global Steering Group (https://gsgii.org). Die Bundesinitiative ist als Mitgliederorganisation offen für Kapitalgeber, Intermediäre und die kapitalempfangenden Sozialunternehmen.

IV. Betätigungsfelder für vermögende Personen, Kapitalanleger, Stiftungen und Family Offices im Bereich Impact Investing

Nach den Entwicklungsschritten „Negative Screening“ und „Positive Screening“ bei Anlageentscheidungen werden bei Investments vermehrt auch ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) im deutschen Finanzmarkt mehr oder weniger flächendeckend angewendet. Da Impact Investing in einem noch weiterführenden Schritt über die inzwischen marktüblichen ESG-Investments hinausgeht, findet „echtes“ Impact Investing aktuell v. a. im Bereich von unternehmerischen Direktbeteiligungen durch vor allem vermögende Privatpersonen, Stiftungen und Family Offices statt, das heißt bei Start-up- und Wachstumsfinanzierungen. Zunehmend gibt es aber auch in Deutschland Produktangebote von Green Bonds oder Fondsanbietern mit Impact Fokus, die den strengen Impact Kriterien entsprechen. Die Bundesinitiative Impact Investing bietet allen Marktteilnehmern eine Plattform, sich zu informieren und mit den gemeinsamen klaren Prinzipien (siehe Definition zu Beginn des Beitrag) im Markt zu agieren und hat die Aufgabe, politische sowie kommunikative Arbeit zu leisten, um zunehmend mehr Kapital für diesen Bereich zu mobilisieren.

Eines der Kernziele ist es, durch den Aufbau des Impact-Investing-Ökosystems in Deutschland zusätzliches Kapital zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen zu mobilisieren. Im Vordergrund stehen dabei:

  • die Verbreitung des Impact-Investing-Ansatzes sowie eines Bewusstseins für die positive gesellschaftliche Wirkung von Investmentkapital,
  • die Stärkung und Förderung der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteuren im Impact Investing,
  • die Förderung günstiger politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen für Impact Investing in Deutschland,
  • und die (Weiter-)Entwicklung und Verbreitung von einheitlichen Methoden und Standards, insbesondere was die Wirkungsmessung betrifft.

Grundsätzlich lassen sich die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen als konzeptionelles Gerüst für die Wirkungsbereiche und die Wirkungsmessung von Impact Investments heranziehen:

  • Armut beenden
  • Ernährung sichern
  • Gesundes Leben für alle
  • Bildung für alle
  • Gleichstellung der Geschlechter
  • Wasser und Sanitärversorgung für alle
  • Nachhaltige und moderne Energie für alle
  • Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit für alle
  • Widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung
  • Ungleichheit verringern
  • Nachhaltige Städte und Siedlungen
  • Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen
  • Sofortmaßnahmen ergreifen, um den Klimawandel und seine Auswirkungen zu bekämpfen
  • Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen
  • Landökosysteme schützen
  • Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  • Umsetzungsmittel und globale Partnerschaft stärken

Gemäß der Studie „Risiko, Rendite und Wirkung“ der Bertelsmann Stiftung und der Universität Stuttgart sehen Family Offices in Deutschland folgende Zielbereiche für wirkungsorientiertes Investieren[6]:

Die Studie vom August 2019, „Impact Investing: Mapping families‘ interests and activities“[7], herausgegeben von The Impact und der Universität Zürich, Center for Sustainable Finance & Private Wealth, hat auf ähnliche Weise die Zielbereiche für Impact Investing beleuchtet:

  • Die Sektoren, die das höchste Interesse von Investoren anziehen, sind Landwirtschaft und Lebensmittel, Energie und Rohstoff-Effizienz.
  • Es besteht eine Kluft zwischen Investment-Interesse und Kapitalallokation v. a. im Bereich Wasser (global), Landwirtschaft und Lebensmittel (USA) und den Basisprodukten und Dienstleistungen am unteren Ende der Pyramide in Entwicklungsländern.

Das nachfolgende Diagramm stellt die Analyse zusammenfassend dar:

Entscheidend ist, es wurde oben bereits angesprochen, die Messbarkeit der Wirkungsorientierung. Ohne laufendes Controlling und Reporting ist Impact Investing gerade für professionelle Anleger eine „Black Box“, daher müssen die sozialen und ökologischen Ergebnisse zwingend nachgehalten werden. Das folgt der herrschenden Ansicht, dass ein professionelles Vermögens-Controlling und Vermögens-Reporting die Basis für die Geldanlage darstellt, wie Alexander Etterer und Martin Wambach am Beispiel der Stiftung ausführen: „Die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung einer Stiftung erfordert vor allem aus Foundation Governance Gesichtspunkten eine sachgerechte Kontrolle und Überwachung der Anlage von Kapital sowie auch der Tätigkeit beauftragter Dritter. Die damit verbundenen Tätigkeiten werden unter dem Begriff ‚Vermögenscontrolling‘ zusammengefasst. [...] Das Vermögenscontrolling ist das zentrale Steuerungselement einer Stiftung bei ihren Kapitalanlagen. Es ist dabei nicht ausreichend, die Kontrolle und Überwachung nur einmal jährlich vorzunehmen. Vielmehr zeigt eine Regelmäßigkeit, z. B. im quartalsweisen Turnus, Wirkung. Insbesondere, um auf Veränderungen bzgl. Marktlage zeitnah mit Optimierungen der Anlagestruktur oder mit Risikosteuerungsmaßnahmen reagieren zu können. Anders ausgedrückt: das Vermögenscontrolling bringt der Stiftung die Verwaltung ihres Vermögens näher.“[8]

Und um mit Eigelshoven zu konkretisieren, diesmal im Kontext des Family Office: „Das Vermögenscontrolling ist Teil des Führungssystems eines Family Offices. Es koordiniert die Planung und stellt die laufende Kenntnis über den aktuellen Stand und die Entwicklung des betreuten Gesamtvermögens her. Somit ermöglicht es die Steuerung der Vermögensanlage, die Überwachung von Zielvorgaben und die Sicherung der Eigentümerinteressen.“[9]

Daraus lässt sich ableiten, dass auch Impact Investments hinsichtlich ihrer sozialen/ökologischen zusätzlich zu der wirtschaftlichen Rendite kontrolliert, ausgewertet und beurteilt werden müssen: Erfüllen sie tatsächlich den angestrebten Zweck und nach welchen Kriterien und Maßzahlen lässt sich dieser messen? Abb. 6 zeigt, welche „Tools, Indikatoren und Standards“ vorranging angewendet werden, um die Wirkungsmessung und eine tragfähige Managementleistung zu gewährleisten.

Aber was bedeutet das jetzt in der Praxis? Wie setzen Family Offices und andere professionelle Investoren die Wirkungsorientierung um und aus welchen Gründen genau? Die Abbildung 5 der Organisation GIIN stellt eine Reihe von Motivationen vor, von denen v. a. die ersten sehr aussagekräftig sind. Impact Investing wird eine zentrale Bedeutung zugemessen, eine bestimmte Wirkungsorientierung zu erreichen, die in einem hohen Verantwortungsbewusstsein als Investor begründet liegen. Das bedeutet, dass Wirkungsorientierung a priori ein Ziel dieser finanzstärkeren Anleger ist und sich nicht ausschließlich a posteriori aus bestimmten Erkenntnissen des Marktes ableitet, die beispielsweise reputations- oder ertragsbedingt sind.

V. Fazit

Impact Investing ist kein Trend mehr, sondern aufgrund der hohen Wirkungsorientierung v. a. bei professionellen Investoren vielfach bereits gesetzt. Im Vergleich zur Nachhaltigkeit im Kontext von ESG-Kriterien stellt Impact Investing eine Weiterentwicklung dar, da der Fokus darauf liegt, die Wirkungsorientierung tatsächlich anhand von bestimmten Kennziffern beziehungsweise Milestones zu bewerten. Nachhaltigkeit hingegen bemisst sich daran, ob das Zielunternehmen ein ESG-Kriterium oder mehrere ESG-Kriterien erfüllt. Es kommt dabei nicht auf die langfristigen positiven Auswirkungen an, sondern auf eine historisch nachweisbare Beachtung von ESG-Vorgaben. Beim Impact Investing geht es Institutionellen Investoren und Family Offices also weiterführend darum, spezielle gesellschaftliche/ökologische Themen proaktiv auszuwählen und konkrete Nachweise mit der Wirkungsmessung zu erbringen. Die Informationstiefe beim Impact Investing ist wesentlicher höher als bei (standardisierten) Nachhaltigkeitskonzepten, weil die Wirkungsorientierung nicht auf einen Parameter wie „Diversity im Management“ zugespitzt werden kann.

Der Wahrheit zur Ehre: Nachhaltigkeit ist ein hochrelevantes Thema und soll hier keinesfalls in der Bedeutung dem Impact Investing untergeordnet werden! Aber für wirkungsorientierte Investoren, die auf direkte Beteiligungen als Beimischung in der Vermögensstrukturierung setzen wollen, bieten sich Impact Investing-Projekte eben wesentlich mehr an. Die Visibilität der Wirkung ist von vornherein gegeben, weil der Impact vorab fest definiert ist. Und dieser kann eben sozialen, ökologischen oder auch wirtschaftlichen Charakter haben. Wichtig ist, dass ein im weiteren Sinne gesellschaftlich relevanter Zweck ganz konkret und in einem räumlich und zeitlich abgesteckten Rahmen erfüllt wird.

Grundsätzlich gilt also für Impact Investments: Die Kombination von wirkungsorientierter Nachhaltigkeit, hohe Unabhängigkeit von Börsen und Weltwirtschaft sowie unternehmerischen Renditen trifft den Wunsch vieler Investoren. Wichtig ist, dass Investoren sich daher kaskadenartig mit Impact Investing befassen. Welche Interessen treiben sie? Welche Wirkung wollen sie erreichen? Welche Renditen erwarten sie? Aus jeder Frage ergibt sich eine Konkretisierung möglicher Projekte, die dann in der konkreten Investmententscheidung ausgewählt werden; nämlich so, dass das Impact Investment auf alle gestellten Fragen die bestmögliche Antwort geben kann. Das bedeutet: Wie bei jedem Investment muss auch bei Anlagen mit Wirkungsorientierung ein transparentes, plausibles Geschäftsmodell von einem seriösen, kompetenten Management umgesetzt werden. Das zu beurteilen, ist keine Laiensache. Professionelle Investoren prüfen bei einem Projekt sehr viele Aspekte im Rahmen der umfassenden Due Diligence. Eine der Herausforderungen für einen privaten Anleger ist bereits, den Wahrheitsgehalt von Beschreibungen eines Investmentprodukts zu erkennen. Ohne einen unabhängigen Fachberater geht das kaum. Nur weil ein Angebot als nachhaltig oder grün bezeichnet wird, muss das nicht stimmen.

Praxistipps:

  • Die in Gründung befindliche Bundesinitiative Impact Investing wird die Visibilität des Themas zunehmend auch in Deutschland stärker in die öffentliche Diskussion bringen. Sie beabsichtigt durch den Aufbau des Impact-Investing-Ökosystems zusätzliches Kapital zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen zu mobilisieren.
  • Interessierte Marktteilnehmer können sich über das Netzwerk informieren, mit anderen Akteuren austauschen (Intermediäre, Investoren und Kapitalnehmer) und auch den politischen Diskurs aufnehmen, sowie geplante Weiterbildungsangebote wahrnehmen.
  • Für Impact Investoren sowie kapitalsuchende Firmen soll ein Matching der unterschiedlichen Bedarfe erleichtert werden.
  • Interessenten für eine Mitgliedschaft, Sponsoren sowie mögliche Fördermitglieder wenden sich gerne an: info@bundesinitiative-impact-investing.de
  1. GIIN Global Impact Investing Network, Roadmap for the Future of Impact Investing, 2018.
  2. GIIN Annual Impact Investor Survey 2019.
  3. Krimphove, P. (2010): Philanthropen im Aufbruch. Ein deutsch-amerikanischer Vergleich: Wien, Sigmund Freud University Press, S. 16 f.
  4. Wettstein, F./Dey, P./Schaefers, K./Bahlmann, J. (2019): Impact Investing: Konzept, Spannungsfelder und Zukunftsperspektiven – Eine Orientierung für private und institutionelle Investoren. St. Gallen/Bad Homburg: o.V., S. 2.
  5. Ebd., S. 3.
  6. Schäfer, H./Eckert, S. (2015): Risiko, Rendite und Wirkung? Die Anlagebereitschaft deutscher Stiftungen und vermögender Anleger für wirkungsorientiertes Investieren. O.O.u.V., S. 41
  7. Unter http://theimpact.org/wp-content/uploads/2019/09/TI_MA_ImpactInvestingReport2019_LowRes.pdf
  8. Etterer, A./Wambach, M. (2019): Vermögen kontrollieren und überwachen mit dem Transparenzbericht: So haben Stiftungen bei der Kapitalanlage in Investmentfonds ihre Haftungsrisiken fest im Griff, in: Rote Seiten 2, S. 13 f.
  9. Eigelshoven, J. (2019): Grundlagen des Vermögenscontrollings, in: Werkmüller, M. A.: Family Office Management. Heidelberg: Finanz Colloquium Heidelberg. S. 226–239.


Beitragsnummer: 3701

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Kommentare:

Um die Webseite so optimal und nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten, nutzen wir Google Analytics und hierfür erforderliche Cookies. Weitere Infos finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.