Neue Anforderungen an die Liquiditätsausstattung

Donnerstag, 2. Januar 2020

Qualität und Konzentration des Liquiditätspuffer und der Refinanzierungsquellen

Tobias Westbrock, Referent Risikocontrolling, Institutssteuerung, abcbank Köln

Sowohl die MaRisk-Novelle vom 27.10.2017 (in BTR 3.1 Tz. 1) als auch der Leitfaden der EZB für den bankinternen Prozess zur Sicherstellung einer angemessenen Liquiditätsausstattung (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process – ILAAP) stellen Anforderungen an die Qualität der Refinanzierungsquellen und des Liquiditätspuffers.

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick gegeben werden, welche Qualitätsmerkmale u. a. betrachtet werden könnten.

Diversifikation

Die MaRisk selbst geben in den Hinweisen zu BTR 3.1 Tz. 1 bereits Beispiele für zu betrachtende Kriterien vor und nennen speziell die Diversifikation von Geschäftspartnern/Emittenten, Produkten, Laufzeiten und Regionen.

SEMINARTIPPS

Neue Risikoinventur-Vorgaben aus RTF-, ICAAP- & ILAAP-Leitfaden, 30.03.2020, Frankfurt/M.

Aufsichtsfokus Stresstests/adverse Szenarien laut ICAAP-/RTF-Leitfaden, 01.04.2020, Frankfurt/M.

Neue ILAAP-Vorgaben: Handlungsoptionen für Liquidität- & Banksteuerung, 22.04.2020, Frankfurt/M.

Gesamtbanksteuerung: Neue Anforderungen, Prüffelder & Feststellungen, 16.06.2020, Frankfurt/M.

Für Erstere bieten sich Konzentrationsmaße wie der Gini-Koeffizient oder der Herfindahl-Hirschman-Index an, die man sonst eher aus Betrachtungen des Aktivportfolios kennt.

Für Aspekte wie Produkt-, Laufzeit- und geographische Konzentrationen ist der naheliegendste Ansatz wohl eine Aufstellung aller (evtl. geeignet gruppierter) Ausprägungen mit ihren Volumina bzw. ihrem prozentualen Anteil. Bei zu vielen Einzelelementen kann auch eine Betrachtung der TOP X-Vorkommen und ihres Anteils an der Gesamtheit ausreichen.






Genau solche Darstellungen liefern bereits die Meldebögen der AMM. Speziell die Meldungen C67Konzentration der Finanzierung nach Gegenparteien, C68Konzentration der Finanzierung nach Produktarten und C69Kosten für unterschiedliche Finanzierungszeiträume beleuchten verschiedene Ausprägungen, in denen das eigene Passivgeschäft Konzentrationen aufweisen könnte. Ergänzt man diese Angaben noch um prozentuale Anteile an dem Gesamtvolumen, so erhält man Konzentrationsangaben, die auch für die interne Steuerung limitiert werden können.

Qualität & Stabilität

Bei der Qualität betrachtet man die Bestandteile des eigenen Liquiditätspuffers hinsichtlich ihrer kurzfristigen Verfügbarkeit und ihres Marktwertes in Stresssituationen. An der LCR orientiert sollte es sich um Vermögenswerte von höchster Liquidität und Kreditqualität handeln, die auch in Stressphasen mit hoher Wahrscheinlichkeit liquide bleiben.

BUCHTIPP

Rohde, Liquiditätsrisikomanagement deutscher Regionalbanken unter ganzheitlicher Betrachtung der drei Baseler Säulen, 2017.


Stabilität bezieht sich auf die Verlässlichkeit der Refinanzierungsquellen und damit auf deren langfristige bzw. planbare Verfügbarkeit. Einlagen mit fester Laufzeit und ohne Kündigungsrecht gelten dabei als äußerst stabil, während Tagesgelder hinsichtlich ihres verhaltensbezogenen Cashflow-Profils analysiert werden sollten, um nachzuweisen, wie stabil sie sich in der Historie des Instituts verhalten haben. Hierbei kann unter Umständen auf die Validierungen zurückgegriffen werden, die für die LCR ohnehin regelmäßig erforderlich sind.

Verfügbarkeit

Abschließend bleibt noch der Aspekt der Verfügbarkeit der eigenen Vermögensgegenstände, der sowohl den gesicherten Zugang zu den entsprechenden Märkten einschließt, der selbst in Stressphasen sichergestellt sein muss, als auch die Belastung der Assets einbezieht.

Als Hilfsmittel für die Identifikation belasteter Vermögensgegenstände kann z. B. die Asset Encumbrance-Meldung dienen, um sicherzustellen, dass der Liquiditätspuffer nur aus unbelasteten Vermögenswerten gebildet wird (BTR 3.1 Tz. 4). Auch die Aufnahme der Asset Encumbrance Ratio in das interne Berichtswesen kann einen Beitrag zur Überwachung der Assetverfügbarkeit leisten.

PRAXISTIPPS

  • Analyse der Refinanzierungspositionen mit Darstellungen analog der AMM-Meldung.
  • Von Aktivseite bekannte Konzentrationsmaße auf Passivseite übertragen.
  • Nutzung der für aufsichtsrechtliche Meldungen erhobenen Daten im Risikomanagement, um Redundanzen zu vermeiden und eine Synchronizität der Werte zu gewährleisten.


Beitragsnummer: 3911

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Kommentare:

Um die Webseite so optimal und nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten, nutzen wir Google Analytics und hierfür erforderliche Cookies. Weitere Infos finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.