Mittwoch, 8. Juli 2020

Quick-Check-Analyse BWA

Ronny Grigg, Inhaber, Grigg Consulting 

 

 

Vor dem Einstieg in die eigentliche BWA-Analyse ist es ratsam, das vorgelegte Zahlenmaterial zunächst auf seine Plausibilität hin zu überprüfen. Mit Hilfe einfacher Formalprüfungen lässt sich innerhalb kürzester Zeit feststellen, ob das Zahlenwerk Eröffnungsbuchungen enthält, das Ergebnis über die Bestands- und die Erfolgskonten der Summen- und Saldenliste mit dem BWA-Ergebnis übereinstimmt, Restbuchwertabgänge vollständig verbucht sind oder gar Buchungen noch nicht festgeschrieben sind.

 

SEMINARTIPPS

Quick-Check BWA-Analyse, 04.11.2020, Frankfurt/M.

Kredit-Jahrestagung 2020, 18.–19.11.2020, Berlin.

Analyse der zukünftigen & nachhaltigen Kapitaldienstfähigkeit, 03.11.2020, Frankfurt/M.

 


BUCHTIPP

Grigg/Leistenschneider, Arbeitsbuch Quick-Check BWA-Analyse, 2019.

 




INHOUSETIPP

Quick-Check BWA-Analyse.

 




Formalprüfung erforderliche Mindest-Unterlagen (fallabhängig)

 

Die einfachste, aber schlechteste Variante ist es, von einer Standard-BWA lediglich die erste Seite, die kurzfristige Erfolgsrechnung anzufordern. Ohne Summen- und Saldenliste (SuSa) und gegebenenfalls weitere Unterlagen sind keine tiefergehenden Analysen möglich. Die folgende Checkliste soll nach Prioritäten geordnet eine schnelle Übersicht der anzufordernden Unterlagen ermöglichen.

 



Prio

Unterlage

Erläuterung

1.

Kurzfristige
 Erfolgsrechnung

 

Die kurzfristige Erfolgsrechnung ist umgangssprachlich die eigentliche BWA. In dieser wird eine Art Gewinn- und Verlustrechnung sowohl in Monatswerten als auch in Form von kumulierten Werten dargestellt.

1.

Summen- und
 Saldenliste (SuSa)

Die SuSa setzt auf dem Journal auf und verdichtet die Buchungsvorgänge in Kontonummern, die über Spezialkontenrahmen strukturiert dargestellt werden. Es ist möglich, auch ohne eine BWA eine Erfolgsrechnung herzuleiten, da die SuSa die Grundlage für die Betriebswirtschaftlichen Auswertungen bildet. Erst die SuSa ermöglicht eine qualifizierte BWA-Analyse.

2.

Einnahmen-/
Ausgaben-BWA
 bei 4.3-Rechner

Im Gegensatz zu einer Standard-BWA bildet die Einnahmen-/Ausgaben-BWA das Zufluss- und Abflussprinzip ab. Der wesentliche Unterschied liegt demnach darin, dass diese nicht den Betriebserfolg, sondern die Liquidität widerspiegelt. Eine wichtige Unterform stellt die „Ärzte-BWA“ dar.

2.

Unterjährige Bestandsveränderungen bei Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen (siehe unfertige und fertige Erzeugnisse und Leistungen)

  1. Ermittlung der Bestandsveränderungen über die Produktivstunden

Dieses sehr einfache Verfahren kommt für Produktionsbetriebe mit Serienfertigung in Frage. Dabei wird aus Vergangenheitswerten ein Gesamtleistungswert je Produktivstunden ermittelt und für die aktuell angefallenen Produktivstunden als Multiplikator verwendet.

  1. Ermittlung der Bestandsveränderungen über Fertigstellungsgrade 

Das Verfahren ist für Betriebe geeignet, die Projektbezogene Arbeiten durchführen. Benötigt werden ein Betriebsdatenerfassungssystem, ein Materialwirtschaftssystem, ein Kostenrechnungssystem mit Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung und eine Auftragsverwaltung.

3.

Bewegungsbilanz

Es wird Auskunft darüber gegeben, wie sich die einzelnen Bilanzpositionen im Kapital- und Vermögensbereich seit Beginn des Wirtschaftsjahres verändert haben. Dabei werden die Mittelherkunft und Mittelverwendung übersichtlich abgebildet.

3.

Offene Posten
 (OPOS)

In den OPOS-Listen werden die Debitoren- und Kreditoren nach offenen Beträgen und Fälligkeiten aufgeführt.

3.

Controllingreport

Excel-basierte Auswertung für Kennzahlen:

– Erfolg

– Liquidität

– Privatbereich/Kapital

– Forderungen und Verbindlichkeiten

– Planzahlen

Trends werden mit Pfeilsymbolen angezeigt, Ampelsymbole signalisieren den Handlungsbedarf. Voraussetzung hierfür ist die vom Steuerberater erstellte und gebuchte qualifizierte BWA. 

3.

Kapitaldienstgrenze-BWA

Die BWA-Form 15 errechnet die maximale Kapitaldienstbelastung. Ein korrekter Ausweis der Kapitaldienstgrenze in der BWA ist jedoch nur möglich, wenn auch die notwendigen Abgrenzungsbuchungen durchgeführt werden.

3.

Vergleichs-BWA insbesondere bei saisonalen Umsatzschwankungen

Mit dem Vorjahresvergleich und dem Vorgabevergleich gibt es zwei Vergleichsarten. Der Aufbau beider entspricht der kurzfristigen Erfolgsrechnung, wobei den Monats- und kumulierten Werten die entsprechenden Vorjahrzahlen, beziehungsweise den Vorgabewerten (Soll/Ist-Vergleich) gegen-übergestellt werden.

3.

BWA-Betriebsvergleich

Die von DATEV ermittelten Branchendurchschnitte der entsprechenden Branche und Umsatzklasse werden den Ist-Werten des eigenen Unternehmens gegenübergestellt. Somit ist ein fundierter Branchenvergleich möglich.

3.

BWA-Wertenachweis

Die Zusammensetzung der BWA-Positionen im Hinblick auf Kontenabfragen und Rechenoperationen werden transparent.

3.

Auftragslage

Oft handelt es sich um das Kopfwissen des Unternehmers. Die Übersicht sollte in begonnene, erteilte und in Aussicht stehende Aufträge unterteilt sein. Ergänzend mit Angaben zum Auftragsvolumen und Auftraggeber. Eine Auftragskalkulation rundet das Bild ab.

 

Legende Prioritäten: 

  1. absolutes Minimum
  2. wichtig unter bestimmten Voraussetzungen (Fallabhängig)
  3. vertiefend (Fallabhängig)

 

PRAXISTIPPS

  • Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie sollen zeitnah aktuelle BWAs nebst Summen- und Saldenlisten angefordert werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen abschätzen zu können. 
  • Bei Kapitalgesellschaften soll unterjährig die Eigenkapitalentwicklung im Auge behalten werden, auch wenn die Insolvenzantragspflicht vorübergehend ausgesetzt ist.
  • Ergänzend bieten sich Vergleichs-BWAs mit Vorjahresvergleich an, um die Veränderungsbewegungen periodengerecht bewerten zu können.
  • Für die zukunftsorientierte Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit sollen unter Annahme verschiedener Szenarien Hochrechnungen erfolgen. Mit Nutzung der Excel-Tabelle BWA-Easycheck können dabei komfortabel Werte, wie z. B. die Rohertragsquote angepasst werden.

Beitragsnummer: 9245

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