Mittwoch, 19. April 2023

Den Stapel gemeinsam abtragen

Die Stapelkrise fordert KMU und Banken heraus – objektbasierte Finanzierungsmodelle bieten Lösungen

Carl-Jan von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter Maturus Finance

 

Eine Rezession scheint vorerst vereitelt – und doch türmen sich die Herausforderungen für mittelständische Bankkunden und ihre Finanzierer weiter in ungekannte Höhen. Ob es dabei um Energiekosten, Fachkräftesorgen, Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder die Gefahr von Insolvenzen geht: Die Ansätze der Asset Based Finance bieten in dieser komplexen Zeit externe Unterstützung.

 

I. KMU in der Stapelkrise

1. Die Wirtschaft stagniert

Die deutsche Wirtschaft ist bisher besser durch die Krise gekommen, als viele Experten erwartet hatten. Die fehlenden Gaslieferungen aus Russland konnten anderweitig ersetzt werden. Die Gasspeicher sind gefüllt; es kam zu keinen Zusammenbrüchen in der Industrie oder dem Energiesektor. Zu einer schweren Rezession wird es dieses Jahr wohl nicht kommen. Es ist allerdings auch nur ein marginales Wirtschaftswachstum zu erwarten.

So geht das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln in seiner Konjunkturprognose für 2023[1] gerade einmal von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,25 Prozent aus. Die große Erholung entfalle laut IW, denn Herausforderungen wie die geopolitische Unsicherheit und die hohen Energiepreise bestünden weiter. Bei Letzteren seien extreme Schwankungen wie im letzten Jahr zwar vorerst abgeebbt, dennoch lägen die Kosten immer noch weit über denen der Vorkrisenzeit. Im Gegensatz zum marginalen BIP-Wachstum dürften die Inflationsraten in diesem Jahr hoch bleiben. Das IW rechnet 2023 mit einer durchschnittlichen Inflation von sechs Prozent. Vor allem die Bauwirtschaft und energieintensive Industrien sehen die Kölner Experten weiter unter Druck. Über Branchengrenzen hinweg belasten die hohen Energiepreise und fortwährende Lieferkettenprobleme die Industriefirmen weiter. Auch am Bau ist das Material nach wie vor knapp, zudem gehen die Bauinvestitionen um drei Prozent zurück; beim Wohnungsbau sogar um 3,5 Prozent.

Ein wichtiger Stabilisator für die Konjunktur im letzten Jahr war der private Konsum. 2023 dürften jedoch viele Ersparnisse aus der Corona-Zeit aufgebraucht sein und auch der Staat die Haushalte weniger unterstützen. Daher geht das IW davon aus, dass die realen Konsumausgaben unter denen des Vorjahres liegen werden. Entsprechend sind hier keine größeren Impulse für die Wirtschaft zu erwarten.

Auch die geopolitische Lage bleibt angespannt und erhöht die Unsicherheit für die Unternehmen. Der Ukraine-Krieg kann jederzeit eine neue Eskalationsstufe erreichen. Auch die Spannungen zwischen China und Taiwan sowie den USA können eskalieren. Dann drohen massive Lieferengpässe für mittelständische Unternehmen, da Deutschland stark von Importen aus der Volksrepublik abhängig ist. Generell belastet die aktuelle Situation den Welthandel. Laut IW dürften die globalen Handelsströme lediglich um ein Prozent und die gesamte Weltwirtschaft 2023 um gerade einmal zwei Prozent wachsen. Für die exportaffine deutsche Wirtschaft ist entsprechend auch hier kaum Vorschub zu erwarten.

 

2. Nachwuchssorgen und die Frage der Liquidität

Durch die Corona-Krise lange Zeit verdeckt, kehrt nun das Thema demografischer Wandel umso dringlicher auf die Agenda mittelständischer Unternehmen zurück. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Mit dem zunehmenden Ausscheiden der Baby-Boomer aus dem Arbeitsleben nehmen Fachkräftemangel und Personalsorgen immer weiter Fahrt auf. Fast 44 Prozent der Unternehmen gaben bei einer Umfrage[2] des Münchner ifo-Instituts an, von einem Mangel an Fachkräften betroffen zu sein. Die Branchenunterschiede sind dabei oft groß. So litten hier bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten fast 60 Prozent der Betriebe; in der Metallerzeugung und Bearbeitung waren es knapp 24 Prozent. Neben der verringerten Produktivität durch unbesetzte Stellen verursacht die Situation für Arbeitgeber zusehends Kosten. Der War for Talents führt in immer mehr Bereichen zum Wettstreit bei der Bezahlung – ein oft ungleicher Kampf, da hier KMU häufig mit Großunternehmen und Konzernen konkurrieren müssen. Zudem muss viel Liquidität in die Personalsuche und die eigene Attraktivität als Arbeitgeber gesteckt werden. Hinzu kommen Kosten für Weiterbildungen und oftmals für technische Lösungen, um fehlende Arbeitskräfte zumindest teilweise zu ersetzen und die bestehende Belegschaft zu entlasten.

Die andere Herausforderung des demografischen Wandels ist der Generationswechsel, der sich für den Mittelstand zusehends schwieriger gestaltet. Gerade Familienbetriebe finden immer seltener einen Nachfolger aus den eigenen Reihen. Laut dem Nachfolgemonitor 2022[3] des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) finden mittlerweile 46 Prozent der Alt-Unternehmer keinen passenden Nachfolger mehr. Entsprechend möchte fast die Hälfte der Befragten ihren Betrieb extern übergeben. Allerdings gestaltet sich die Suche nach geeigneten Käufern mittlerweile ebenfalls schwierig. So kommen laut DIHK auf einen möglichen Übernehmer mittlerweile drei Alt-Inhaber mit ihren Unternehmen.

Doch selbst wenn ein potenzieller Nachfolger gefunden ist, stellt sich immer häufiger die Herausforderung der Übernahmefinanzierung: Dabei haben laut der Erhebung 41 Prozent der Befragten Schwierigkeiten. Der DIHK schätzt, dass sich allein die Finanzierung über Eigenmittel in den letzten 12 Monaten um 24 Prozent verschlechtert hat – einer Lösung über einen Bankkredit sogar um 26 Prozent. Es wird durch fehlendes Kapital somit beim Thema Nachfolge immer ungemütlicher für KMU. Zumal: 75 Prozent der bisherigen Unternehmer wollen aus Altersgründen abgeben, hier kann eine Lösung entsprechend nicht länger aufgeschoben werden. Das Thema ist brisant, denn müssen Unternehmen reihenweise aufgegeben werden oder geraten sie zu Krisenfällen, belastet dies nicht nur ihre Stakeholder und Finanzierer. Letztlich leidet die Zukunftsfähigkeit des gesamten Standorts Deutschland darunter.

 

3. Insolvenzen belasten die Wirtschaft zunehmend

Laut dem Insolvenztrend[4] des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stiegen die Unternehmensinsolvenzen im Februar 2023 um sieben Prozent im Vergleich zum Januar an. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich zudem eine Steigerung der Fälle von 19 Prozent. Neben der Anzahl der Verfahren stellt aber vor allem die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Arbeitsplätze eine Gefahr für die Wirtschaft dar. So lag deren Anzahl im Februar bereits den vierten Monat in Folge über dem Durchschnittswert der Vorkrisenjahre 2016 bis 2019. Damals waren es durchschnittlich 7.000 Stellen, die im Zeitraum November bis Februar jeweils monatlich betroffen waren. Aktuell sind es je knapp 10.000 Arbeitsplätze. Auch bei den Branchen beginnt sich der Wind laut dem IWH zu drehen. War im letzten Jahr eher die energieintensive Industrie von Insolvenzen betroffen, leiden nun mehr und mehr auch der Gesundheitsbereich, der Sektor der Personaldienstleistungen und der Einzelhandel unter der Entwicklung. Für die nächsten Monate rechnen die Experten mit weiterhin steigenden Insolvenzzahlen. Das dürfte nicht verwundern, denn neben den Herausforderungen der aktuellen Stapelkrise stehen fast alle Branchen auch durch die zunehmende Transformation unter Druck.

 

4. Anpassungsdruck versus Investitionsstau

Besonders die Transformationsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit treiben die mittelständischen Unternehmen immer stärker vor sich her. Spätestens seit der Corona-Krise hat sich der digitale Wandel nochmals beschleunigt. Allerdings können KMU die Anpassungen oft nicht in der nötigen Geschwindigkeit umsetzen. So hat eine Umfrage[5] des DIHK unter 4.000 Betrieben eine nur durchwachsene Selbsteinschätzung des eigenen Digitalisierungsgrades ergeben. Viele KMU würden auf der Stelle treten, Haupthemmnisse sind für 37 Prozent ein Mangel an zeitlichen Ressourcen und für 34 Prozent fehlende finanzielle Mittel. Würden digitale Bemühungen dennoch umgesetzt, dann sei deren Ausrichtung stark der derzeitigen Krise geschuldet. Den meisten Unternehmen gehe es darum, die Effizienz zu steigern und Arbeitsabläufe flexibler zu gestalten. Damit solle dem steigenden Kostendruck und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Für Innovationen und neue Geschäftsmodelle sei derzeit oftmals keine Kapazität vorhanden. Das könnte für KMU in den nächsten Jahren zum existenziellen Thema werden. Denn: Viele Geschäftsansätze müssen mittel- bis langfristig überdacht werden, um mit der Transformation Schritt zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Beim Thema Nachhaltigkeit stehen Mittelständler ebenfalls immer stärker unter Zugzwang. Die bisherigen Bemühungen reichen nicht aus, um die ambitionierten deutschen Klimaziele zu erreichen und eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft zu erschaffen.

Beispielsweise sind laut Klimabarometer[6] der KfW für eine CO2-Neutralität Deutschlands bis 2045 jährliche Investitionen privater Unternehmen von insgesamt 120 Milliarden Euro nötig. Die Firmen sind bereits engagiert, dass zeigen die 55 Milliarden Euro, die 2022 klimafreundlich investiert wurden. Doch müsste sich dieses Engagement künftig noch mehr als verdoppeln. Im aktuellen wirtschaftlichen Krisenmodus ist es schwierig, dafür die nötige Liquidität aufzubringen. Viele Mittelständler müssen strikt priorisieren: Tagesgeschäft, Aufrechterhaltung des Betriebs und Kostenreduzierung haben Vorrang. Dies jedoch birgt langfristige Gefahren für den Wirtschaftsstandort. Das zeigt auch die Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln in der eingangs erwähnten Konjunkturprognose. Demnach hätten die Unternehmen schon aus den Coronajahren einen gewaltigen Investitionsstau mitgenommen. Die momentanen Energiepreise, die Inflation und die Unsicherheit dürften diesen weiter verlängern. Wenn Investitionen zu lange ausbleiben, drohe allerdings eine strukturelle Schädigung der ganzen Volkswirtschaft. Umso prekärer ist es auch, dass junge Innovatoren immer stärker ausgebremst werden.

 

5. Finanzieller Rückhalt für Start-ups schwindet

Laut dem Report[7] „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“ des Startup-Verbands und des startupdetectors ist die Gründungsaktivität deutlich zurückgegangen. So sind 2022 rund 18 Prozent weniger Start-ups aus der Taufe gehoben worden als im Jahr davor. Der Dezember war dabei mit nur 175 Neugründungen der zweitschwächste Monat seit Erfassung der Daten. Neben Unsicherheit, Kostendruck und Fachkräftemangel ist die Finanzierungssuche eine der zentralen Herausforderungen für die jungen Unternehmen. Und gerade dieser Bereich ist stark rückläufig.

So hat eine Analyse[8] von EY gezeigt, dass die Bereitstellung von Risikokapital für Start-ups im letzten Jahr 43 Prozent niedriger war als noch 2021. Die Studienmacher führen die geringeren Investitionen auf die gegenwärtig unsichere Situation zurück. Investoren achteten vermehrt auf Rentabilität, entsprechend müssten die Jungunternehmen einen klaren Weg zur Profitabilität aufzeigen. Dies ist allerdings keine leichte Aufgabe, denn innovativ zu sein und neue Wege einzuschlagen, ist stets mit einem Risiko verbunden. Start-ups nehmen dieses auf sich und sind damit der Schlüssel zu einem auch zukünftig konkurrenzfähigen Wirtschaftsstandort. Gerade was die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung angeht, entwickeln sie Technologien und Lösungen, auf die es in den nächsten Jahren ankommen wird. Bereits Start-ups unter einen hohen Rentabilitätsdruck zu setzen, kann die Qualität und spätere Anwendbarkeit ihrer Lösungen negativ beeinflussen. Finanzierung sollte hier nachhaltiger gedacht werden. Bei entsprechender Eignung kann auch Fremdkapital für Start-ups bereits eine Option sein. Verständlicherweise ist das für klassische Kreditgeber – gerade unter den aktuellen Voraussetzungen – allein aber kaum umsetzbar. 

 

II. Banken: Droht die Kreditklemme? Finanzierungsrisiken auf mehr Schultern verteilen

Nicht nur Start-ups und etablierte Mittelständler stehen heute unter massivem Druck, gerade auch Banken müssen Antworten auf die aktuelle Krise finden. Durch die Entwicklung rund um die Silicon Valley Bank und die Credit Suisse ist die Branche jedoch mit zusätzlichen Unsicherheiten konfrontiert. Spätestens seit die Aktienkurse großer deutscher Geldhäuser kurzzeitig einbrachen, sind die Kreditgeber alarmiert. Die Situation hat sich vorerst zwar etwas beruhigt, dennoch steht für nicht wenige Beobachter die Gefahr einer Kreditklemme im Raum.

Ohnehin mussten Banken aufgrund der Wirtschaftslage, der strengen Basel-Regularien und der anhaltenden Unsicherheit ihre Risikovorsorge in den letzten Monaten immer weiter verschärfen. Ein Indiz dafür ist etwa der Bank Lending Survey[9] des Eurosystems. Demzufolge legten die befragten Häuser im vierten Quartal 2022 strengere Vergaberichtlinien und restriktivere Kreditbedingungen fest. Für fast alle Branchen wurden die Kreditrichtlinien verschärft. Aufgrund der gestiegenen Kreditrisiken müssen Banken beim verarbeitenden Gewerbe, energieintensiven Bereichen oder dem Immobiliensektor zudem mit nochmals erhöhter Vorsicht vorgehen. Die KfW-ifo-Kredithürde[10] zeigt dabei, welche Auswirkungen das veränderte Risikoverhalten auf KMU hat. Demzufolge sprechen mehr als 31 Prozent der Befragten von einem restriktiven Verhalten der Banken in Kreditverhandlungen. Daneben sind Start-ups und Wachstumsunternehmen ganz unabhängig von der aktuellen Krise eine komplexe Angelegenheit für Kreditinstitute – hier ist das Risiko meist nicht mit den regulatorischen und internen Vorgaben und den wirtschaftlichen Erwartungen vereinbar. Dennoch haben Wachstumsunternehmen häufig das Potenzial, auf lange Sicht wichtige Kunden für eine Bank zu werden.

Bankhäuser müssen diese Chance ebenso wenig verschenken, wie sie ein KMU aufgrund dessen momentaner wirtschaftlicher Disposition abweisen müssen: Kann ein Kunde nicht im eigenen Haus bedient werden, lohnt sich oft die Vermittlung an einen Partner aus dem Bereich Asset Based Finance. Diese Anbieter haben sich auf komplexe Finanzierungssituationen und bonitätsunabhängige, objektbasierte Ansätze spezialisiert. Gerade angesichts der momentanen Wirtschaftslage bieten sie Mittelständlern und Start-ups oftmals kurzfristige, pragmatische Lösungen. Unternehmen können so ihre derzeitigen Herausforderungen angehen. Die Bank behält zudem ihren Kunden – oder gewinnt perspektivisch einen neuen hinzu – und sichert sich durch die Vermittlung zudem eine risikofreie Provisionsmöglichkeit. Zwei objektbasierte Modelle, die sich in der aktuellen Zeit besonders bewähren, sind Sale & Lease Back sowie Asset Based Credit. 

 

III. Sale & Lease Back: Hilfe durch krisenerprobte Innenfinanzierung

1. Mobiles Anlagevermögen sichert Handlungsfähigkeit

Bei dieser objektbasierten Finanzierung verkaufen produzierende oder verarbeitende Unternehmen werthaltiges Anlagevermögen wie Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks an einen alternativen Finanzierungspartner und leasen es direkt wieder zurück. Sale & Lease Back (SLB) kombiniert somit die Vorteile eines Verkaufs bei gleichzeitiger Weiternutzung der Produktionsmittel. Das freiwerdende Kapital kann von KMU beispielsweise zum Abfedern hoher Energiekosten, für eine Neuausrichtung der Lieferkette oder im Rahmen einer Nachfolgelösung verwendet werden. Aber auch die Einführung neuer digitaler Technologien, das Optimieren interner Prozesse oder nachhaltige Anpassungen in Herstellung oder Verteilung sind damit finanzierbar. Dank SLB können solche Maßnahmen schonend für das operative Geschäft angestoßen und vorangetrieben werden: Der Unternehmenskunde muss seinen laufenden Betrieb zu keiner Zeit des Finanzierungsprozesses unterbrechen. Die Maschinen verbleiben an Ort und Stelle. 

Von den regulären Umsatzgrößen her ist das Finanzierungsmodell für Unternehmen mit Umsätzen zwischen fünf und 250 Millionen Euro im Jahr geeignet. Das Finanzierungsvolumen liegt in der Regel zwischen 400.000 und 15 Millionen Euro. In Einzelfällen kann es auch darüber hinausgehen. Aufgrund seiner Bonitätsunabhängigkeit bietet es KMU gerade auch in volatilen Zeiten, bei internen und externen Krisen oder bei grundlegenden strukturellen Veränderungen Unterstützung.

 

2. Backup für die Sanierungsabteilung

Sale & Lease Back hilft nicht nur dabei, erforderliche Anpassungen an den digitalen Wandel oder die angestrebte Green Economy vorzunehmen. Selbst wenn bei einem Firmenkunden der Bank interne Restrukturierungen oder gerichtliche und außergerichtliche Sanierungen anstehen, kann SLB für die benötigte Liquidität sorgen. Werden in diesem Kontext notwendige Schritte nicht schnell genug unternommen, sind leicht die Handlungsfähigkeit und das Fortbestehen eines Unternehmens gefährdet. Damit steht für den Kreditgeber womöglich auch eine wichtige Kundenbeziehung auf dem Spiel, entsprechend sollte finanzierungsseitig umgehend und flexibel reagiert werden.

Sale & Lease Back weist einen kurzen Finanzierungsprozess auf und ist damit für derartige Situationen prädestiniert. In der Regel dauert es von der ersten Anfrage bis zur finalen Auszahlung des Kaufpreises drei bis sechs Wochen. Selbst in einer fortgeschrittenen Sanierung und Insolvenz kann SLB unterstützen und helfen, das Blatt zu wenden. Die Finanzierung umfasst zudem weitere Anlässe, die die Workout-Abteilung der Bank meist nicht allein stemmen kann: Distressed M&A oder die Auftragsvorfinanzierung nach der Krise.

 

3. Nebeneffekt: verbesserte Kreditaussichten

Als reine Innenfinanzierung steigert Sale & Lease Back auch die Eigenkapitalquote eines Unternehmenskunden. Das hat meist positive Effekte für den Bankpartner, verbessert sich doch durch das gestiegene Eigenkapital in der Regel auch das Ergebnis im internen Bonitäts-Rating. Womöglich bietet sich durch das gesunkene Kreditrisiko so auf absehbare Zeit die Möglichkeit zu einer neuen Darlehensvergabe an den Firmenkunden. SLB hat einen weiteren Nebeneffekt: Sind die entsprechenden Assets des KMU in seiner Bilanz größtenteils abgeschrieben, können oft stille Reserven gehoben werden. Dadurch ergibt sich eine weitere Stärkung des wirtschaftlichen Eigenkapitals. Hinzu kommt ein Steuervorteil des Leasings für den Firmenkunden, da die Raten für die weitere Nutzung der Assets teils als Betriebsausgaben abzugsfähig sind.

 

4. Werthaltiger Maschinenpark als Grundlage

Um Sale & Lease Back als Option nutzen zu können, müssen die Vermögensgegenstände eines KMU werthaltig und sekundärmarktfähig sein. Die Maschinen- und Anlagen müssen im Zweifel vom Finanzierungspartner ohne maßgeblichen Wertverlust weiterverkauft werden können. Daneben sollten die Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge zahlreich und fungibel sein. Der jeweilige Maschinen- oder Fuhrpark muss aus einer Reihe marktgängiger und einzeln austauschbarer Assets bestehen. Sonder- und Einzelanfertigungen sowie Prototypen sind nicht SLB-geeignet. Sind die Assets zudem kompliziert verkettet oder mit der Fabrikhalle verbaut und entsprechend nicht transportfähig, sind sie für Sale & Lease Back ebenfalls ausgeschlossen.

 

IV. Spezialfinanzierung Asset Based Credit als externe Entlastung

1. Besicherung über das Anlage- und Umlaufvermögen 

KMU unterschiedlicher Branchen besitzen einen umfangreichen Bestand an Vermögensgegenständen. Neben Industrieunternehmen gehören dazu auch Händler und Dienstleister. Selbst Start-ups verfügen in vielen Fällen über entsprechende Assets. Damit erfüllen all diese Unternehmen die zentrale Zugangsvoraussetzung für eine objektbasierte Finanzierung wie den Asset Based Credit (ABC). Bei diesem Spezialkredit kann neben Anlagevermögen auch Umlaufvermögen als Sicherheit dienen, dass für einen Bankpartner meist nicht besicherbar ist. Als externes Unterstützungsangebot bietet ABC Firmenkunden somit die Möglichkeit, ihre Maschinen und Anlagen, ihr Handels- und Fertigwarenlager sowie ihre Sachwerte oder Immobilien einzusetzen und so an einen kurzfristigen Kredit zu gelangen.

Die Bonität des Bankkunden spielt bei dieser Lösung nur eine untergeordnete Rolle. Damit das objektbasierte Modell als Lösungsansatz infrage kommt, müssen stattdessen die entsprechenden Vermögensgegenstände zentrale Voraussetzungen erfüllen. Im Rahmen des Umlaufvermögens sind die Werthaltigkeit und Sekundärmarktfähigkeit wichtig. Bei Assets darf es sich beispielsweise nicht um unfertige Produkte oder verderbliche Waren handeln. Anlagevermögen muss daneben wertbeständig, mobil und fungibel sein. Deshalb wird vom Finanzierungspartner beispielsweise ein Maschinengutachten angefertigt oder es werden der aktuelle Warenbestand und der Warenumschlag der letzten Monate ausgewertet. Bei Immobilien wird in der Regel ein Sachverständigengutachten zum Zeit- beziehungsweise Verkehrswert eingeholt.

 

2. Hebel für verschiedene Finanzierungsanlässe

Ein Asset Based Credit sorgt in unterschiedlichen Situationen für unternehmerische Liquidität. Einkäufe und Auftragsvorfinanzierungen können damit ebenso realisiert werden, wie nachhaltige Investitionen oder Digitalisierungsvorhaben. Auch Maßnahmen zur Personalgewinnung oder zur langfristigen Bindung der Belegschaft sind mit dem Spezialkredit finanzierbar. Der Ansatz hilft in der aktuellen Dauerkrise und Unsicherheit bei der Überbrückung von Flauten, der Abmilderung von Kostenexplosionen oder der Aufstockung des Lagers. Die liquiden Mittel sind von Unternehmenskunden zudem als Baustein in einem M&A nutzbar, oder um Alt-Gesellschafter auszuzahlen. Restrukturierungen, Sanierungsmaßnahmen oder Auftragsvorfinanzierungen nach einer überstandenen Krise sind im Rahmen eines Asset Based Credits ebenfalls möglich. Die beleihbaren Summen liegen zwischen 250.000 und fünf Millionen Euro. Die Laufzeiten der Kredite bewegen sich im kurz- bis mittelfristigen Bereich.

 

3. Vom jungen Innovator bis zum etablierten KMU

Bereits Start-ups können auf die objektbasierte Finanzierung zugreifen, wenn sie einen festen Risikokapitalgeber besitzen. Ein Kreditinstitut hat hier meist nur limitierte Optionen, solange ein Jungunternehmen den Break-Even noch nicht überschritten hat. Durch die Vermittlung an einen Partner für Asset Based Credit kann die Bank Start-ups mit Potenzial dennoch unterstützen. So gelangt die junge Firma an dringend benötigtes Fremdkapital für ihre weitere Entwicklung und die Bank gewinnt das Vertrauen eines möglichen künftigen Kunden. Start-ups können mit dem objektbasierten Kredit beispielsweise Betriebsmittel finanzieren oder ihr Wachstum realisieren. Angesichts der rückläufigen Versorgung mit Wagniskapital werden solche Lösungen wohl immer gefragter. Denn die Wirtschaft benötigt für die aktuelle Transformation Innovatoren und deren Lösungen stärker denn je.

Auf der anderen Seite müssen sich etablierte Unternehmen derzeit gleichzeitig den zahlreichen Herausforderungen der Krise stellen und zusätzlich in ihre Weiterentwicklung investieren. Letzteres reicht von digitalen und nachhaltigen Kurskorrekturen bei Angeboten oder Prozessen bis hin zur umfassenden Restrukturierung. Bei manchem KMU wird überdies eine gänzliche Neuaufstellung im Rahmen einer Sanierung nötig sein. Da Asset Based Credit weitgehend bonitätsunabhängig ist, steht das Modell auch in diesem Fall zur Verfügung. Bei Bedarf kann der Ansatz sogar zu einem Massedarlehen verhelfen. Damit hat die Workout-Abteilung der Bank ein externes Tool zur Hand und gewinnt Zeit, um für den Firmenkunden eine langfristige Lösung zu entwickeln.

 

PRAXISTIPPS

  • Banken sollten derzeit verstärkt auf Kreditrisiken und Herausforderungen aus der eigenen Branche achten.
  • Eine Zusammenarbeit mit externen Partnern kann das Risikomanagement erleichtern.
  • Zudem helfen Kooperationen, Kundenumfassende zu bedienen und trotz aktueller Herausforderungen dauerhaft zu binden.
  • Verfügt ein Bankkunde über reichhaltige Maschinen-/ oder Anlageparks, kann ihm ein Sale & Lease Back empfohlen werden.
  • Bei entsprechendem Umlaufvermögen sorgt der Spezialkredit „Asset Based Kredit“ für Liquidität.

 

[1] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/michael-groemling-investitionsstau-bedroht-wohlstand.html

[2] https://www.ifo.de/pressemitteilung/2023-02-15/mangel-fachkraeften-entspannt-sich-leicht

[3] https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaftspolitik/gruendung-und-nachfolge-unternehmensfinanzierung/unternehmensnachfolge/nachfolgereport-22

[4] https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-ueberdurchschnittlich-viele-jobs-von-firmenpleiten-betroffen/

[5] https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaft-digital/digitalisierung/digitalisierungsumfrage-2023/digitalisierung-tritt-auf-der-stelle--91536

[6] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_737088.html

[7] https://startupverband.de/presse/pressemitteilungen/2-startup-neugruendungen-gehen-2022-gegenueber-dem-vorjahr-um-18-prozent-zurueck-%7C-muenchen-ueberholt-berlin-12-01-2023/

[8] https://www.ey.com/de_de/news/2023/011/weniger-gross-deals-fuehren-zu-rueckgang-bei-startup-finanzierungen

[9] https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/januar-ergebnisse-der-umfrage-zum-kreditgeschaeft-bank-lending-survey-in-deutschland-670052

[10] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_748800.html



Beitragsnummer: 21997

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