Kommentar: Die Corona-Krise verstärkt den Digitalisierungsdruck

Dienstag, 5. Mai 2020

Change-Prozesse in Banking und Wealth Management beschleunigen sich

Karl im Brahm, CEO der Avaloq Sourcing (Europe) AG und Head of Germany der Avaloq Gruppe (www.avaloq.com)

Bei sehr vielen Banken, Finanzdienstleistern und Vermögensverwaltern existiert ein Investitionsstau in Sachen IT. Überalterte Legacy-Systeme verursachen immer höhere Aufwände. Dabei war es schon seit Beginn der Niedrigzinsphase geboten, die Wertschöpfungskette zu optimieren, Kosten zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Jetzt, durch die Corona-Krise, hat sich der IT-Leidensdruck vieler Finanzinstitute nochmals verschärft. Die Rahmenbedingungen für die Branche verändern sich immer schneller und die Konkurrenz durch die Fintechs, die Neobanken und die internationalen Technologiegiganten, die GAFAs, droht eine Wettbewerbssituation zu schaffen, in der etablierte Marktteilnehmer mehr und mehr mit dem Rücken an der Wand stehen. Die Krise wird die Change-Prozesse in der Branche noch deutlich beschleunigen. Der Digitalisierungsdruck steigt.

 

SEMINARTIPPS

IKS-Bewertung & Festlegung wesentlicher Prozesse, 07.05.2020, Berlin.

Digitale Authentifizierung im Konten- & Zahlungsverkehr gemäß PSD II, 29.09.2020, Frankfurt/M.

Cloud-Dienstleistungen: Anforderungen, Implementierung & Überwachung, 30.09.2020, Frankfurt/M.

 

Schub für die Digitalisierung

 

Nicht nur für das Banking gilt: Die Rahmenbedingungen wandeln sich. Sie tun es rasant und sie tun es weltweit. Die Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit verändern ja gerade schon das Arbeitsleben. Parallel entwickelt sich auch das Nutzerverhalten verstärkt in Richtung Apps und Online-Services. Die zentralen Enabler dafür sind die Bereiche IT, Datenmanagement und Softwareentwicklung. Die Krise verleiht dem klaren Digitalisierungstrend also zusätzlichen Schub. Für Banken und Vermögensverwalter steigt dadurch der Handlungsbedarf.

 

Legacy-Systeme bremsen Innovation

 

Jeder weiß: Mit den alten, monolithischen Lösungen sind die Herausforderungen der Digitalisierung nicht zu meistern. Die unbeweglichen Legacy-Systeme verhindern Innovation. Wer jetzt auf den Kostendruck durch Niedrigzins, regulatorische Anforderungen und Fintech-Konkurrenz die geeignete Antwort geben will, entscheidet sich für neue IT-Architekturen. Er unternimmt den Schritt in die Cloud und öffnet sich auch für Outsourcing-Strategien – von SaaS über Business Process as a Service bis hin zu Banking as a Service-Angeboten. Beweglichkeit ist eine essenzielle Anforderung an die Banking-IT in Zeiten der Digitalisierung. Mithilfe innovativer Technologien und Services wird nur derjenige bestehen können, dessen IT agil genug ist, diese Innovationen auch mit kurzem Zeithorizont auszurollen. Die Time-to-Market wird ein entscheidender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit. 

 

BUCHTIPP

Meier (Hrsg.), Praxisleitfaden Prozessmanagement, 2017.

 



Front-to-back-Digitalisierung als Ziel

 

Agilere Prozesse, schnellere Innovation, Skalierbarkeit der IT und geografisch verteilte IT-Ressourcen – gerade für kleinere Finanzinstitute ist dies kaum anders als mit einer Outsourcing-Strategie in den Griff zu bekommen. Auch Open-Banking-Ansätze, Co-Innovations-Modelle und plattformbasierte Ökosysteme spielen eine Rolle. Die bedarfsgerechte Kombination von Microservices kann ebenso dazugehören wie die Nutzung von Container-Applikationen per Kubernetes. Welche Technologie auch immer für das einzelne Institut relevant sein mag – es ist entscheidend, die Digitalisierung ganzheitlich anzugehen. Es gilt, alle papierbasierten Prozess-Schritte und -Schnittstellen aufzulösen. Denn das Ziel muss darin bestehen, die Wertschöpfungskette umfassend zu digitalisieren: front-to-back.

 


 

Grundlegende Outsourcing-Vorteile

 

Auch die Kredite, die Finanzinstitute in der aktuellen Krisensituation vergeben, führen für sie zu keinem profitablen Geschäft. Im Gegenteil: Die Krise wird den herrschenden Kostendruck noch verschärfen. In vielen Fällen eröffnet ein konsequentes Outsourcing die einzige Möglichkeit, diesen Kostendruck zu reduzieren und zugleich die unverzichtbare Digitalisierung in Angriff zu nehmen. Die grundlegenden Outsourcing-Vorteile sind bekannt. Sie reichen von den Economies of Scale bis zu den Economies of Scope. Der Outsourcing-Partner bietet die gleichen Leistungen nicht nur günstiger, er kann durch die Vielzahl seiner Kunden auch umfassendes Know-how über unterschiedlichste innovative Technologien aufbauen. Neben einer höheren Agilität und einer kürzeren Time-to-Market sprechen zudem Aspekte wie Operational Readiness und Business Continuity Management für Cloud- und Outsourcing-Strategien.

 

Fazit: Jetzt den Innovationsstau lösen

 

Die Zeit der monolithischen Legacy-Systeme ist endgültig vorbei. Die Pandemie und ihre Konsequenzen machen dies klarer denn je. Wollen Banken und Wealth Manager im sich verändernden Wettbewerbsumfeld bestehen, müssen sie jetzt den Innovationsstau lösen und ihre Digitalisierung vorantreiben.

 

 

PRAXISTIPPS

  • Weil unbewegliche Legacy-Systeme Innovation verhindern, ist für Finanzinstitute jetzt der strategische Schritt hin zu neuen Architekturen, Cloud-IT und Outsourcing unverzichtbar.
  • In einem Wettbewerbsumfeld, das sich durch die Digitalisierung und die Corona-Krise deutlich verändert, ist die Time-to-Market von Innovationen entscheidend.
  • Eine echte Digitalisierung entfernt alle papierbasierten Prozess-Schnittstellen – das Ziel besteht darum in einer kompletten Front-to-Back-Digitalisierung. 

Beitragsnummer: 6803

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