Dienstag, 27. April 2021

Neuausrichtung Risikotragfähigkeit – Herausforderungen & Fallstricke

Herausforderungen & Fallstricke beim Wechsel auf die neue normative und ökonomische RTF-Perspektive aus Sicht einer unabhängigen Privatbank.

Stefan, Millinger, Bereichsleitung Risikomanagement, Bankhaus Spängler

 

Die Umstellung auf die normative und ökonomische Sicht birgt diverse Herausforderungen in sich. Diese beginnen mit der Festlegung von Planungsannahmen für mehrjährige Zeiträume (zumindest drei Jahre in der normativen Sicht). Damit verbunden ergeben sich praktische Fragen hinsichtlich der tourlichen Anpassung der Planung, Soll-Ist-Vergleiche sowie der daraus abgeleiteten Steuerungsimpulse. Bei der Implementierung der „neuen“ RTFR-Sichten sind jene Institute im Vorteil, die schon bisher mehrjährige Kapitalplanungen aufgesetzt und in die Banksteuerung integriert haben.

 

Was für alle Institute bleibt, sind Fragen, die sich in Bezug auf die Integration relevanter Säule II-Risiken in den Szenarien der normativen Sicht bzw. die Beurteilung der Auswirkungen auf die für die normative Sicht maßgeblichen Parameter stellen.


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Weiters ist zu klären, wie vor diesem Hintergrund sinnvolle Risikolimite abgeleitet und als Ausdruck des Risikoappetites in die Geschäftsplanung integriert werden können. Dabei darf auch der institutsbezogene SREP-Aufschlag nicht außer Acht gelassen werden. Allerdings ist eine definitive Planung des SREP-Aufschlages auf Grund der, im Vergleich zu Deutschland, geringen Transparenz in der Bemessung in Österreich mit höheren Unsicherheiten verbunden.

 

Im Zuge der Implementierung der „neuen“ RTFR-Sichten ist auch eine konsistente Umsetzung und Ausgestaltung von adversen Szenarien vor dem Hintergrund der etablierten oder neu zu definierenden RTFR-Stresstests von entscheidender Bedeutung. Hier darf es nicht zu logischen Widersprüchen kommen. An dieser Stelle dürfen auch etwaige Implikationen bzw. ggf. getroffene Annahmen für die Sanierungsplanung nicht vergessen werden.


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Ganz zentral stellt sich die Frage nach dem für das jeweilige Institut angemessensten bzw. geeignetsten Ansatz in der Bemessung der Risiken und Deckungsmassen – leitet man die Risiken und Deckungsmassen barwertig, barwertnahe oder in einem sog. Säule I-Plus ab. Maßgeblich sind dabei sowohl die Art der bisherigen Steuerung als auch beispielsweise die bisherige Methode der Bemessung der Risiken, um eine nahtlose Einbettung der „neuen“ RTFR-Sichten in die Banksteuerungs- und Reporting-Umgebung zu gewährleisten und hier nicht neben der bestehenden Struktur oder der Managementwahrnehmung zu arbeiten.

 

Vor diesem Hintergrund beinhaltet auch die neue Regulatorik rund um Basel III.9 bzw. IV an sich neue Herausforderungen in der Risikobemessung. Als Beispiel seien hier etwa die Anforderungen an die Durchrechnung von Fonds genannt. Ganz grundsätzlich bleiben alte Fragen der Risikomessverfahren auch nach den „neuen“ RTFR-Sichten aktuell à 99,9 % oder 99,0 % Konfidenzniveau, um ein Beispiel zu nennen.

 

Nach erfolgreicher Risikoermittlung besteht eine weitere Herausforderung darin, die gewonnenen Erkenntnisse auf ihre plausible Auswirkung auf GuV, Eigenmittel bzw. RWAs zu beurteilen und in die Banksteuerung zu integrieren. An diesem Punkt gilt es, auch das Zusammenspiel der beiden „neuen“ Sichten der RTFR richtig zu verstehen und sinnvolle Steuerungsimpulse abzuleiten.

 

Zusammenfassend liegen in der Umstellung auf die „neuen“ RTFR-Sichten eine Reihe an Herausforderungen und Fallstricke, die es zu meistern bzw. zu vermeiden gilt. Allerdings ergeben sich auch Chancen – u. a. im Rahmen möglicher Prozessoptimierungen oder dem Nutzen von Proportionalität.

 




PRAXISTIPPS

  • Integrierte Kapitalplanung als zentrales Element.
  • Aufeinander abgestimmte Ansätze für Stressszenarien, adverse Szenarien und Sanierungsplanung, die logisch widerspruchsfrei sind.
  • Bedeutung der Risiko- und Deckungsmassenbemessung in einer für das Institut angemessenen und „lebbaren“ Form.

Beitragsnummer: 18161

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