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Adverse/Stress-Szenarien in Risikotragfähigkeit und Kapitalplanung

Freitag, 13. Dezember 2019

Dr. Daniel Baumgarten, Teamleiter, Risikotragfähigkeit & Kapital, Sparkasse KölnBonn

Gemäß den MaRisk (AT 4.3.3 Tz. 6) sind bei der Beurteilung der Risikotragfähigkeit die Ergebnisse von Stresstests zu berücksichtigen. Deren zusätzliche Betrachtung erweitert das Spektrum der RTF-Analyse und liefert ergänzende Erkenntnisse bzgl. der Angemessenheit der Kapitalausstattung sowie potenzielle Steuerungsimpulse. Die Darstellung der „Risikotragfähigkeit unter Stressbedingungen“ macht die Anfälligkeit für institutsrelevante außergewöhnliche Ereignisse transparent und erfüllt dadurch parallel eine Frühwarnfunktion.

Erweiterte Anforderungen an adverse Szenarien der Kapitalplanung

Am 24.05.2018 wurde ein überarbeitetes aufsichtliches Leitlinienpapier zur Risiko-tragfähigkeit durch die BaFin und die Deutsche Bundesbank veröffentlicht. Die bisher in Deutschland eingesetzten Fortführungs- („Going Concern“) und Liquidationsansätze („Gone Concern“) sollen durch die überarbeiteten Leitlinien perspektivisch aufgegeben und durch eine normative Perspektive als erweiterte Kapitalplanung und eine ökonomische Perspektive als von der Regulatorik/Rechnungslegung losgelöste RTF-Betrachtung ersetzt werden.

SEMINARTIPPS

Übergang Going Concern-Ansatz auf neue normative RTF-Perspektive, 31.03.2020, Frankfurt/M.

Aufsichtsfokus Stresstests/adverse Szenarien laut ICAAP-/RTF-Leitfaden, 01.04.2020, Frankfurt/M.

„Gestresste“ Kreditportfolien: Praktische Umsetzung neuer RTF-Vorgaben, 05.05.2020, Frankfurt/M.

10. Kölner Risikomanagement-Tagung 2020, 25.–26.05.2020, Köln.

Kapitalplanung nach neuem ICAAP-/RTF-Leitfaden: Vorgaben & Fallstricke, 15.06.2020, Frankfurt/M.

Auch im Rahmen dieser neuen Vorgaben spielen Stresstests eine wichtige Rolle im ICAAP eines Instituts. Gemäß den Tz. 63 und 64 des neuen RTF-Leitfadens sind in angemessenem Umfang Stresstests durchzuführen und für das Gesamtrisikoprofil Anfälligkeiten des Instituts für außergewöhnliche, aber plausibel mögliche Ereignisse aufzuzeigen.

Grundsätzlich müssen die adversen Szenarien der normativen Perspektive nicht unbedingt die Schwere eines Stresstests erreichen, sondern „widrige Entwicklungen“ widerspiegeln, die von den Erwartungen abweichen und zu einer merklichen Belastung der zukünftigen Kapitalausstattung des Instituts führen. Bezüglich Stresstests in der normativen Perspektive wird durch die Tz. 63 in Verbindung mit den Tz. 35 und 36 die Erleichterung geschaffen, dass bei Verwendung des nach MaRisk AT 4.3.3 geforderten Stressszenarios „schwerer konjunktureller Abschwung“ als adverses Szenario in der normativen Perspektive im Regelfall institutsseitig alle Mindestanforderungen an Stresstests für das Gesamtrisikoprofil erfüllt werden. Die angemessene Entwicklung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen adversen Szenarien der normativen Perspektive und als Stresstest dienenden Szenarien stellt somit eine zusätzliche Herausforderung bei der institutsindividuellen Umsetzung der neuen RTF-Vorgaben dar.









Klassische Stresstests weiterhin in der ökonomischen Perspektive – jedoch barwertig und zu einem hohen Konfidenzniveau

Gemäß Tz. 64 des neuen Leitfadens sind in der ökonomischen Perspektive weiterhin in angemessenem Umfang Stresstests durchzuführen, die sich von den zugrundeliegenden Prämissen der eingesetzten Risikomessverfahren lösen.

Zusätzlich zu den generellen Herausforderungen der Einführung einer barwertigen Risikotragfähigkeitsanalyse ergibt sich für Institute, die Stresstests bisher ausschließlich in einem periodischen Going Concern-Ansatz durchgeführt haben, die Notwendigkeit einer Einfindungsphase bzgl. barwertiger Stresstestrechnungen zu einem Konfidenzniveau von 99,9 %. Mit dieser Herausforderung sieht sich eine große Anzahl der deutschen LSI konfrontiert. Laut der Anfang 2019 veröffentlichten „Range of Practice“-Studie der Deutschen Bundesbank zur Risikotragfähigkeit nutzten im Zeitraum 2015 bis 2017 knapp 93 % der deutschen LSI ausschließlich einen buchwertigen Fortführungsansatz.


PRAXISTIPPS

  • Stresstests als Aufwertung der Ergebnisse verteilungsbasierter Risikomodelle durch Risikoanalysen über die Standardparametrisierung hinaus.
  • Nutzung von Stresstestergebnissen bei der Kapitalbedarfsplanung, der Festlegung strategischer Ziele und der Gestaltung operativer Instrumente der Risikosteuerung.
  • Zeitnahe intensive Auseinandersetzung mit den überarbeiteten Vorgaben zur Risikotragfähigkeit inkl. Testrechnungen und Auswirkungsanalysen.


Beitragsnummer: 3722

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